Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Ibn-Gebirol's (Avicebron's) Bedeutung für die Geschichte der Philosophie
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 427 (sequence 8)
- Language
- German
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Wissenschaftliche Aussätze. 427 Zm §. 12 und 13 führt G. den Plotinischen Satz von der Aehnlichkeit der intelligibeln und der diesseitigen Welt im Einzelnen nicht ohne große Geschicklichkeit, aber zugleich mit der Behaglichkeit und Breite eines Scholiasten durch. Das von der intelligibeln Welt gebrauchte Bild, daß sie sich nämlich zur sinnlichen verhalte wie die Sonne zu ihren Strahlen, ist bekanntlich eines der dem Plotin geläufigsten Bilder (010v i(kiov %ö neql avroc /m^tiqov oder olov ex (f üozog vrjv 6§ aviov T1BqvXa(1xp1v). §. 14. Was das hier Gesagte betrifft, daß man nämlich zur Kenntniß von Materie und Form nicht die Kategorienlehre in ihrer Vollständigkeit zu wissen nöthig habe, sondern daß, wie Munk richtig erklärt, die Kategoreme des Porphyrius genügen, so klingt das dunkel und sonderbar. Sinn erhält die Sache, wenn wir Folgendes dabei in Betracht ziehen. G. hat so eben eine Parallele gezogen zwischen der übersinnlichen und sinnlichen Welt. Hier wäre also als Haupteinwand am Platze, daß, wenn die sinnliche Welt wirklich ein Abbild der übersinnlichen wäre, die Kategorien auch auf das Uebersinnliche Anwendung finden müßten, was bekanntlich nicht der Fall ist, da z. B. die Kategorie des Raumes und der Zeit auf das Uebersinnliche nicht paßt. Gebirol selbst beantwortet diesen Einwand sehr ausführlich im 3. Buche §. 21. Hier würde er den Gang der Untersuchung unterbrechen und aus diesem Grunde will G. die Sache ausgeschoben wissen. Interessant wird nun dieses ganze Sachverhältuiß für uns, wenn wir dabei an Plotin denken. P. hat drei Bücher (eim. VI, 1 — 3) der Kategorienlehre gewidmet. In dem ersten bekämpft er die Lehre des Aristoteles und der Stoiker und zeigt, daß die von ihnen ausgestellten Kategorien auf das oviwg ov} das Jntelligible, keine Anwendung finden. Im zweiten stellt er die Kategorien des Intelligibeln auf. Im dritten stellt er die des Sinnlichen analog denen des Intelligibeln auf. Bei den Arabern und Juden scheint man nun eine künstliche Ausgleichung gefunden zu haben, wie die Kategorien des Aristoteles mit der neuplatonischen Lehre zu vereinigen seien. G. beschreibt hierauf die Substanz der neun Kategorien als die unterste der intelligibeln Substanzen, von der keine neue Substanz ausgeht. Ihre Passivität begründet er damit, daß die Quantität in sie «ingegangen ist und sie in der Bewegung hindert. Dieser sonderbar« Grund findet sich meines Wissens bei Plotin nicht, obwohl er von der Seele sagt, daß sie darum nicht behindert ist, überallhin sich zu ergießen, weil sie von keiner Größe eingeschränkt ist (eim. III, 8, 5).