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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1857-01-01 · Heft 11 · p. Seite 417

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
6 (1857)
Issue
Heft 11
Article
Briefe aus Süddeutschland
Date
1857-01-01
Page
Seite 417 (sequence 6)
Language
German
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Briefe aus Süddeutschland. 417 lieber die Anstellung im Staatsdienste gab es auch vor dem Jahre 1848 keine gesetzliche Bestimmung, die den Juden von demselben ausgeschlossen hätte. Die Anstellung wurde stets als ein Act freier Wahl des Herzogs betrachtet. Daher kam es, daß bereits im Jahre 1844 Hr. Or. Heinrich Herz zu Weilburg zum Medicinalrath (entsprechend dem Amte des Physicatsarztes in anderen Staaten) ernannt wurde*), sowie der in Wiesbaden im Jahre 1847 verstorbene Or. Drucker als Obcrappcllationsgerichtsprocnrator nach dem nassäuischen Gesetze in die Kategorie der Staatsdiener gehörte. In neuerer Zeit, d. h. nach 1845, resp.. nach Aushebung der Grundrechte, wurde ein anderer Dr. Louis Herz, ebenfalls aus Weilburg stammend, zum Medicinalacccssisten, ferner Hr. Sabel**), der freilich etwa dreißig Jahre in einer Canzlistenstelle ausharrte, durch seine Ernennung zum Registrator bei dem.Kriegsministcrium in die Zahl der Staatsdiener ausgenommen. Die Ernennung zu dieser Stelle ist für Hrn. Sabel um so ehrenvoller, als sie zugleich eine Vertrauensstclle ist, indem alle Verhandlungen dieses Departements durch seine Hände gehen. — Berichten wir ferner noch, daß Medicinalrath Herz erst kürzlich zum Obermedicinalrath (für einen Medieiner der höchste Rang im nassanischen Staatsdienst) ernannt wurde, so sei endlich bemerkt, daß noch ein dritter, der Familie Herz in Weilburg ungehöriger sehr talentvoller junger Mann, Bernhard Herz, der sich dem Rechtssache gewidmet hat, unlängst, nachdem er das vorgeschriebene juristische Staatsexamen mit Auszeichnung abgelegt, in die Zahl der Rechtscandidaten ausgenommen und sofort gleich seinen christlichen Mitcandidatcn in dem Staatsdienste verwendet wurde. Er bekleidet das Amt eines Receptur-Accessistcn in Weilburg***). *) Zur beiläufigen Charakterisirung der Stellung, die Or. Herz dem Judenthume gegenüber einnimmt, genüge die Bemerkung, daß derselbe zur Zelt seiner Ernennung, wie auch später noch, ei» sehr wirksames, den religiösen Jndifferentismus mit aller Kraft bekämpfendes Mitglied seiner Cultusgemeind« war und ist. **) Viele Jahre hindurch der wackere Vorsteher der Gemeinde zu Wiesbaden. *’*) Es dürfte sehr wenige jüdische Familien geben, aus denen 3 Glieder im Staatsdienste stehen. Es ist dabei wohl zu merken, daß in Nassau di« Aerzte wirkliche Staatsdiener sind. Medicinalrath ist kein bloßer Titel, sondern er ist Chef des Medicinalwesens in seinem Bezirke, und als solcher mehr Verwaltungsbeamter als Arzt. — Der Medicinal-Accessist steht auf der untersten Stufe dieser Beamtenkette; ebenso ist der Receptnr-Accessist nach neuestem Brauche die erste Staffel der Richter-Laufbahn. Frankel, Monatsschrift. VI. II. 32

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