Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Danzig
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 409 (sequence 9)
- Language
- German
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Zur Geschichte der Juden in Danzig. 409 Danzig als Hauptstadt der Provinz Westpreußen war ein ganz anderes, als das unter polnischem Schutze stehende, selbst ein anderes als das preußische Danzig von 1793—1807. . Hatte man in dieser Periode die Besitzergreisung Preußens noch von mancher Seite als Usurpation angesehen und gern die Gegensätze zum preußisch-deutschen System hervorgekehrt, so wendete man sich nun von ganzem Herzen allseitig der neuen Regierung zu. Und wenn auch ans politischen Rücksichten Ost- und Westpreußen als nicht zu Deutschland gehörig ans der Karte figurirten, so waren doch die größeren Städte, Königsberg voran und, ihm nacheifernd, Danzig, gründlich deutsch. Die eingefnhrte Städteordnung vom Jahre 1808 gewöhnte den Danziger Bürger bald daran, sich als eine einzige zusammengehörige Commune zu betrachten und die verrotteten Unterschiede von Bürgern der Recht- .stadt, Altstadt, dieser oder jener Vorstadt, fallen zu lassen und sie allmälig der Vergessenheit anheimzngeben. Leider waren die neuen jüdischen Bürger dieser Stadt in Bezug auf ihr religiöses Gemeinwesen nicht so glücklich. Wir würden sagen nicht so klug, wäre es denkbar, daß sie den Vortheil der Vereinigung Aller zu einer Gemeinde nicht sollten erkannt, nicht berechnet haben, wie viel vortheilhafter es sei, daß 300 Gemeiudemitglieder — denn mehr kann zu jener Zeit die Anzahl sämmtlicher Jsrac- Uten in und um Danzig nicht betragen haben— eine Synagoge erbauen und ein Gemeinwesen bilden, als sich in sünsGemeinden mit fünf Synagogen zu zersplittern. Es waren aber in der That unglückliche Verhältnisse, welche der Vereinigung nicht günstig waren. Wir rechnen zunächst hierher, daß man iu der Stadt keinen vereinigenden Mittelpunkt fand, an den man ankuüpseu konnte. Die Gemeinde in der Breitegasse befand sich in eincin zu ärmlichen Zustande: ihre Synagoge iu einer Sackgasse belegen, zu welcher der Zugang ein wahrhaft abschreckender war, das Gebäude baufällig, gespickt mit Kugeln aus der Belagerung her und verschuldet, war zu wenig einladend für die aus den Vorstädten an Besseres Gewöhnten. Die Gemeinde zu Mattenbuden, die zwar auch einen Betsaal hatte, war zu entlegen und erhielt sich im Grunde nur von den Beiträgen und Spenden der polnischen Kaufleute, die hier vorzugsweise ihr Quartier aufgeschlagen hatten; auch ihr konnte man daher sich nicht anschlicßen. Wie aber die Eingesessenen sich von den Zuziehenden verschinäht sahen, so zogen sie auch ihrerseits sich mit stolzer Geringschätzung