Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Danzig
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 408 (sequence 8)
- Language
- German
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408 Zur Geschichte der Juden in Danzig. Heimatlosigkeit. Ihre Freude über die Capitulation und den Abzug der letzten Franzosen 2) war daher durch die sorgenvolle Frage getrübt, was nun aus ihnen werden sollte. Aber beiu Rufe des Königs Friedrich Wilhelnlls III. zur Befreiung des Vaterlandes von schmachvoller Fremdherrschaft war auch die israelitische Jugend freiwillig gefolgt, und mancher Jüngling aus ihrer Gemeinde hatte sich das eiserne Kreuz erworben. Sie durften vertrauen, nicht als Stiefkinder behandelt zu werden; und sie täuschten sich nicht hierin. Am 3. Februar 1814 wurde dem Danziger Senate von Berlin aus notificirt, Danzig habe ausgehört ein Freistaat zu sein, kehre unter Preußens Scepter zurück, die zerstörten Vorstädte sollen nicht wieder hergestellt werden, ihre ehemaligen Bewohner seien preußische Unterthauen und städtische Bürger. Man kann denken, mit welchem Jubel diese Nachricht von den Israeliten ausgenommen wurde. Auch die städtische Bürgerschuft war endlich durch traurige Erfahrungen klüger geworden und hielt es nicht mehr wie ehemals für ein Unglück, die Bevölkerung der Stadt durch eine beträchtliche Zahl betriebsamer Bürger jüdischer Religion vermehrt zu sehen. Nur eine kleine Zahl patrizischer Familien nahm ein Aergerniß daran, daß ein Jude das volle städtische Bürgerrecht solle genießen können. Man erzählt, als ein Rathsherr diesen unabänderlichen Beschluß erfahren hatte, ging er nach Hause und endete mit eigener Hand sein Leben mit einer Kugel. Ein zurückgelassener Brief sagte: ״Er könne nicht mehr Bürger eines Gemeinwesens sein, in welchem ein Jude neben ihm im Rathe sitzen könne." — Möge das in ibm personisicirte Vorurtheil mit ihm für immer begraben sein! 2) Vielleicht geschieht mancher Familie. die einen ihrer Angehörigen in der französischen Armee verloren und nicht erfahren, wo seine Gebeine ruhen, ein Dienst damit. wenn in diesen Blättern die Namen derer, die hier versiorben sind, hiermit öffentlich genannt werden. Als Soldaten der französischen Armee sind hier gestorben und liegen ans dem hiesigen Friedhofe begraben: 1) Abraham, Sohn des Feis aus Jülich, vom 50. Regiment, gcst. dm letzten Tag Pesach 18l3. 2) Jtzig, Sohn des Feis Levi aus Forbach, vom 2. Bataillon des 33. Regiments, gestorben dm 6. Jjar 1813. 3) Gerson Cohen aus Mainz, Secretair beim französischen Hospital Nr. 3, gestorben den 8. Tischri und begraben am Vorabend des Versöhnungstages 1813. Noch ein vierter Soldat ist bei der Explosion des Pulverthurms als Jude erkannt und am 6. Kislew 1815 hier begraben worden. Name und Herkunft waren nicht zu ermitteln.