Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Danzig
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 410 (sequence 10)
- Language
- German
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410 Zur Geschichte der Juden in Danzig. zurück, dem Alten einen Werth beilegend, der das Bessere sie verachten ließ. Aber was wäre wohl natürlicher gewesen, als daß die drei nun in die Stadt eingezogenen Gemeinden Altschottland, Weinberg und Langefuhr sich zu einer einzigen verbunden und eine gemeinschaftliche Synagoge erbaut hätten, die ihnen ja Allen fehlte? Hatten sie doch bereits einen gemeinschaftlichen Rabbiner, der es für seine Wirksamkeit als dringendes Bedürsniß ansehen mußte, seine drei Gemeinden in einer Synagoge zusammen zu finden, und dem es daher eine unabweisbare Aufforderung war, mit aller Energie, mit aller ihm durch seine Autorität zu Gebote stehenden Mitteln aus eine solche Vereinigung hinzuwirken! — Allein leider war der Mann, welcher das Rabbinat zu jener Zeit verwaltete, den Verhältnissen nicht gewachsen. Es zeigten sich jetzt die Folgen des Fehlers, den man begangen hatte — und noch heute oft begeht — bei Besetzung einer Stelle Rücksicht auf Personen zum Nachtheile des Allgemeinen vorwalten zu lassen. Man wußte, daß der zwar sonst ganz achtbare R. Chaim nicht der Mann war, der seines Vaters Stelle ausznfüllen vermochte; man ließ ihn das sogar fühlen, indem man ihn nicht als Rabinner, sondern nur als מורה צדק anerkannte: man ehrte in ihm blos den Nachfolger des Vaters. Es ging ihm daher von vorn herein die Autorität ab, und die Energie fehlte ebenfalls. Also geschah von dieser Seite Nichts für die Vereinigung. Die Gemeinden selbst aber brachten jede ihren Kastengeist als Kehillah- Stolz ui"den neuen Aufenthalt mit. Dieser wurde noch genährt durch die Ungleichheit der materiellen, und wie denn dies immer von einander abhängig zu sein Pflegt, auch der intellectuellen Kräfte. Altschottland zählte viel reiche Mitglieder in seinem Bunde, die fick schon lange durch eine höhere Bildung hervorthaten. Viel jüdisches, aber selbst viel deutsches Wissen war hier anzutrcffen. Schon wurde das Gemeindebuch seit den letzten Jahren draußen in deutscher Sprache geführt. Sie bedurfte als Gemeinde der übriger: nicht, die übrigen Gemeinden mochten nicht zngestehen, daß sie Altschottlands bedurften: und so wurde selbst nicht ein Versuch, selbst nicht einmal ein Vorschlag zur Vereinigung gemacht. Jede Gemeinde miethete ihr besonderes Betlocal, die Langefuhrsche sogar noch in ihrer Vorstadt, da diese wieder aufgebaut wurde. Diese Locale waren nicht sehr einladend; in dem Bet-