Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Danzig
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 407 (sequence 7)
- Language
- German
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Zur Geschichte der Juden in Danzig. 407 durste die Regierung nicht daran denken, den Juden den Ausenthalt in der Stadt zn versagen. Waren doch die Weinberger völlig obdachlos, und wenn auch die Altschottländischen ihre Häuser noch hatten und auch gröstentheils bewohnten, so ließen sich doch die französischen Wachen nicht dazu bewegen, den Inden am Thore Geleit abznfordern. Viel aber fehlte noch, daß die Vornrtheile Danzigs gegen die Inden verschwunden gewesen wären. Wie sehr die Generale Rapp und Maffina auch daraus drangen, unbeschränkte Handelsfreiheit zu gestatten, und diesen Grundsatz auch aus Juden auszudehnen, — die Ordnungen holten ihren alten Zopf wieder herbei. Sie protestirten gegen die Zumuthnng, Juden an der Börse zuzulassen, beriefen sich, obwohl sie viel Schlinnneres sich hatten gefallen lassen, gerade hier daraus, ״es solle, dem Willen des Kaisers zufolge, Danzig nach seinen alten Gesetzen regiert werden." So wurde wirklich im April 1808 den Juden der Zutritt zur Börse untersagt; ein Regierungscommissar las dieses Decret in eigener Person in der Altschottländischen Synagoge ab. Als bald darauf ein Jude sie zu besuchen wagte, wurde er polizeilich weggesührt. In solcher Zeit der Noch und Bedrängniß, der Lebensgefahr und des Hungers war an einen Aufschwung des Gemeindelebens nicht zu denken. Der Aufenthalt in der Stadt wurde von den Juden nur als eiu provisorischer angesehen. War auch in der Breitgaffe und ans Mattenbudeu bereits seit 1793 ein Betlocal, so konnten sich doch die ans den Vorstädten hereingezogenen Inden nicht veranlaßt sehen, ihnen als Gemeinden beizutreteu, weil sie stets eine Veränderung der Dinge zu fürchten hatten. In Altschottland und Langefuhr standen die alten Synagogen noch und wurden besucht. Es kam das Jahr 1813, das schrecklichste in den Annalen Danzigs. Viele, darunter auch jüdische Familien, hatten sich, das Fürchterlichste ahnend, nach Elbing, Stolp, Berlin und anderen Städten geflüchtet. Jetzt traf das Loos der Zerstörung auch die Vorstädte Altschvttland und Langefuhr, und ersterc ist seitdem aus der Zahl der bewohnten Plätze geschwunden; nur noch in der jüdischen Gemeinde lebt bis heute ihr Name fort. Das׳ Elend, welches Krieg, Hunger, Typhus und Ueberschwemmung über die unglücklichen Bewohner Danzigs herbeiführtcn, wurde für die Juden noch vermehrt durch das Gefühl der völligen