Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Danzig
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 404 (sequence 4)
- Language
- German
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404 Zur Geschichte der Juden in Danzig. Weinberg und Langefuhr zu einem Rabbinate erst bei der Ausnähme des neuen Rabbiners R. Melr Posner im Jahre 1782 statt. Am Fasttage Gedalsah 5542 (September 1781) waren die Vorstände der drei Gemeinden zusammengetreten und hatten sich über die Bedingungen, unter welchen der neue Rabbiner ausgenommen werden sollte, geeinigt. Der Gewählte, ein gelehrter und scharfsinniger Talmudist*), war bisher Rabbiner zu Königsberg in der Neumark, früher zu Meseritz gewesen. Er trat, 47 Jahre alt, dieses Amt an und verwaltete dasselbe 21 Jahre bis zu seinem Tode, 25. Schebat 5603 (17. Febr. 1803). Sein Sohn R. Chaine trat stillschweigend als Verweser des Amtes seines Vaters ein. Seine Amtsführung fällt in eine höchst bewegte Zeit, in der seine Gemeinden sich selber nicht zu finden wußten.׳ Wir scheiden hiermit von der alten Geschichte der Juden in und um Danzig. Wir haben versucht, ein treues Bild der sehr verschiedenartigen ursprünglichen Bestandtheile zu geben. Die folgende Katastrophe wird zeigen, wie diese Bestandtheile aus ihrer -früheren Basis gerissen und׳ zu einer ste umschlingenden und sie in sich ausnehmendeil Einheit hingedrängt wurden. Doch mächtig war der Widerstand der ursprünglichen Elemente, und nur der stärkste Zwang von Außen oder die opferwilligste Liebe von Innen hätte diesen Widerstand zu besiegen, und sie zu einem religiösen Gemeinwesen zu verbinden vermocht. Ob ein solcher Sieg eintrat? Doch wir wollen dem Laufe der Ereignisse nicht vorgreisen itnb gehen nun zu der Neuzeit über. IX. Wie Wetter Gottes durch die Atmosphäre, sie reinigend, ziehen, so zogen die Heere des großen Napoleon I. durch Europa, zwar Zerstörung, Entsetzen und namenloses Weh aller Orten in der Zeit ibrer Erscheinung verbreitend, aber die Hebel fauler Privilegiensucht, giftiger Vorurtheile, krankhafter Parteilichkeit zerstreuend und die segensreichen Keime zur Annäherung der von Gott gleich geschaffenen Menschen in die Menschenbrust einseukend. Ob alle Bewohner Europas die Ereiguisse zu Anfang unseres Jahrhunderts so beurtheilen, mag dahingestellt bleiben; die Juden können nicht anders, als sie als die heftigen Schauer ') Er ist Verfasser des Wertes בית מא'ר, eines Commentars zum fw.