Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Danzig
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 405 (sequence 5)
- Language
- German
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405 Zur Geschichte der Juden in Danzig. ihres Frühlings ansehen, der das tausendjährige Eis ihres mittelalterlichen Winters schmelzen machte. Wenn heute die Kaufmannsältesten jüdischer Religion auf ihrem Ehrensitze im Börsenlocale zu Danzig sich erinnern , daß ihre Großväter, eben so vermögende, geschickte und achtbare Kaufleute wie sic, schon bei der Annäherung an den Börsenplatz von dem Profoß wären abgeführt oder mit Hunden davon gehetzt worden, so müssen sie mehr als ausgesöhnt aus die Ereignisse blicken, die eben diese Großväter von Hans und Hos vertrieben und über sie unsäglichen Jammer brachten. Die Schlacht bei Jena machte die Franzosen zu Herren von Deutschland bis an die Elbe; bald aber hatten sie auch die Oder überschritten und näherten sich der Weichsel. Danzig, so hoffte man, würde ihnen widerstehen. Russische Hülfstruppen waren angelangt und England versprach Beistand von der See her. Der Ausgang des Jahres 1806 fand Danzig gerüstet und auf eine Belagerung gefaßt. Die erste nothwendige Maßregel erheischte, dem Feinde keinen Schutz unter den Kanonen der Stadt zu lassen. Die Vorstädte Nengarten, Petershagen, Weinberg, Stolzenberg und ein Theil — etwa der vierte Theil — von Altschottland wurden abgebrochen. Es war mitten im Winter, 26. Februar 1807. Wo anders sollten die ihres Obdachs Beraubten Zuflucht suchen, als in der Stadt? In diese Noth- Wendigkeit sah sich also zuerst die ganze Weinberger Israelitengemeinde versetzt. In der Zeit der allgemeinen Bedrängniß dachte auch Niemand daran, ihnen das Asyl zu versagen. Sie zogen in die Stadt, suchten aber, obgleich sie hier auch schon eine Synagoge vorfanden, die Synagoge in Altschottland auf, um ihren Gottesdienst zn verrichten. Aber auch aus dieser Gemeinde hatten Viele sich nach der Stadt geflüchtet. Bald bewies der Bombenregen, daß der Marschall Lefebre, später Herzog von Danzig, Ernst machte; auch zwei Jüdinnen, eine Frau und ein Mädchen, sielen als Opfer des Bombardements. Erstere wurde, wie das Buch der Beerdigungsgesellschaft notirt, in ihrem Bette von einer Bombe so zerschmettert, daß kein Glied unversehrt blieb. Da Niemand aus der Stadt gehen durfte, so wurden während der Belagerung die jüdischen Leichen theils im Garten des Kaufmanns Almande, theils in dem des Kaufmanns Wendt auf Mattenbuden begraben, unter dem Vorbehalt, sie später wieder auszugraben und ans dem Friedhofe zn beerdigen. Drei Monate