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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1857-01-01 · Heft 10 · p. Seite 397

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
6 (1857)
Issue
Heft 10
Article
Briefe aus Österreichisch-Italien
Date
1857-01-01
Page
Seite 397 (sequence 6)
Language
German
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Briefe aus Oesterreichisch-Jtalien. 397 brätsche Grammatik, und hier und da wird sie in verständiger Weise gehandhabt, wie in Triest, Venedig rc., zumeist aber bleibt sie bloßer Regelkram. Man könnte in dieser Beziehung gar Vieles von den Deutschen lernen. Es ist noch nicht lange her. da hat man auch in Deutschland und in Oesterreich bis in die neueste Zeit geglaubt, man müffe der Sprachlehre, der Grammatik, mehr Fleiß und Aufmerksamkeit zuwenden als der Schrift. Ueberhaupt, es muß mehr Leben in den Unterricht kommen, als dieß bisher der. Fall ist. Die Kinder müssen für den Glauben der Väter gewonnen, enthusiasmirt werden, dann werden sie ihren Vätern gleichen. Schales Regelwerk bringt aber nie und nirgends Wärme und noch weniger Enthusiasmus hervor. Von den Mädchen sage ich nichts, weil sich nichts sagen läßt. Während des Jahres findet sich auch am Sabbat höchst selten selbst eine Frau in der Synagoge. Eine andere Eigenthümlichkeit in den italienischen jüdischen Gemeinden ist, daß keine vorangeht; keine stellt sich an die Spitze, wenn auch nicht der Bewegung, doch der Verhältnisse. Es fällt mir nicht ein, in irgend einer Weise befürworten zu wollen, daß eine Stadt eine Suprematie, eine Präponderanz ausübe und wären auch alle Männer Weise re. Noch weniger könnte ich befürworten, daß von oben herab ein Centralpunkt commandirt werde. Während jedoch anderswo Mittelpunkte vorhanden sind, wo die größeren Gemeinden den kleineren mit dem Beispiele vorangehen, wo öfters durch Opposition sogar Gemeinden und Gemeindeglieder aus der Lethargie ge- Hoben werden, ist hier von allem dem nicht die Rede. Mantua, das früher die gröste Universität war (die Judengemeinden in Jtalien wurden früher Universitäten genannt), ist heute wie jede andere Gemeinde ohne alle Bedeutung und ein neuer Mittelpunkt hat sich bisher nicht gebildet. Selbst die Bildung neuer Gemeinden, wogegen hier kein Hinderniß obwaltet (ich wiederhol« es, man ist gegen Italien weit nachsichtiger als gegen andere Kronländer) geht sehr langsam vorwärts. So wohnen jetzt in Mailand zwischen 80 und hundert jüdische Familien, jedoch fehlen bisher die ersten Lineamente zu einer jüdischen Gemeinde. Ich habe Ihnen auch in Betreff jüdischer Gemeinden hier sn detail wenig zu berichten. Venedig, Mantua, Verona rc., sie sind sich einander gleich, besonders Hervorragendes gibt es da nicht zu sagen. Man hebt es hier nicht als Verdienst hervor, wenn ein Jude Ackerbau treibt, wenn er sich einem Handwerke widmet, es sind das Dinge, die sich von selbst verstehen. Mit Ausnahme Venedigs Frankel, Monatsschrift. VI. 10. 30

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