Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Briefe aus Österreichisch-Italien
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 396 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829206-2829217-2855409--03855-2855453- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
396 Briefe aus Oesterreichisch-Jtalien. sich nach dem בית יוסף richten; der רמ״א genießt hier keine Autoritat. Nichtsdestoweniger ist es bekannt, daß die Juden in Italien fromm sind, ja frömmer als ihre Glaubensbrüder ui Deutschland. Eine Eigenthümlichkeit muß ich dabei herausheben, die, wie ich glaube, Beachtung verdient. Man wird zugeben, daß das jüdischreligiöse Leben mit Beachtung des רמ״יא in mancher Hinsicht ein anderes ist, als ohne diese Beachtung. Ich glaube aber nicht, daß der Fall vorgekommen ist, wo ein deutscher oder polnischer Jude das Judenthum und den wahren Glauben des italienischen Juden oder umgekehrt in Frage gestellt hätte. Wie ist dieses aber bei andern Konfessionen? Der Protestantismus in Schweden hat jetzt eben aus's Neue den Beweis geliefert, daß er ebenso unduldsam ist, wie anderswo der Katholicismus. Darin lag von jeher die Kraft des Judenthums, daß es im Geiste seiner Bekenner, nicht im Formenwesen seine Kraft hatte und dadurch wurde es erhalten; denn der Geist ist unverwüstbar und unzerstörbar. Man schlug und erschlug die Leiber, aber mit stets neuer Kraft erhüben sich die Geister אותיות פורחות וגדלות נשרפות. In der neuern Zeit wollen Juden alleinseligmachende Theorien aufstellen und jeden der ein Titelchcn von der vorgeschriebenen Formel vernachlässigt, excomunicircn. Cavea.nl consules! muß man wiederholentlich diesen Herren zurusen, die wohl Lei ruhiger Ueberlegung selbst nicht die Verantwortung für die Thaten werden übernehmen wollen, die sie im blinden Eifer verübt haben. Leugnen läßt sich jedoch nicht, daß es jetzt hier eben mit dem jüdischen Geiste, d. i. mit jüdischer Wissenschaft, gerade nicht sehr glänzend bestellt ist. Das Collegium rabbinicum zu Padua zählt Alles in Allem fünf Schüler. Das ist.die gesammte hoffnungsvolle Jugend, die einst Nabbinerstühle besteigen soll.' Außer diesen aber, die in Padua sind, kann man suchen א׳ בעיר ושנים במשפחת die sich, nachdem sie das Jünglingsalter überschritten, mit jüdischer Wissenschaft beschäftigen, und man wird sie kaum finden. Dabei ist es zugleich unnöthig zu bemerken, daß Luzzatto nach wie vor fast der Einzige und Alleinige ist — wir nennen noch della Torre — der יד ושם auf dem Gebiete der Wissenschaft hat. Noch betrübender ist, daß für die Jugend nach dieser Richtung hin nicht in der Weise gesorgt wird, wie gesorgt werden sollte und müßte. Die Rabbiner sind zwar meist vom -besten Willen beseelt; es gehen jedoch in dieser Beziehung so ziemlich alle Mittel ab. Worauf hier das meiste Gewicht bei Knaben gelegt wird, ist he-