Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Briefe aus Österreichisch-Italien
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 395 (sequence 4)
- Language
- German
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Briefe aus O esterreichisch-Jta lien. 393 Juden bereits in das Ghetto verwiesen waren. Die Gründe, die dazu Veranlassung gaben, werde ich an einem andern Orte erörtern. Doch urn auf die gegenwärtigen Zustände in Oesterreichisch- Italien, so weit sie Juden betreffen, zu kommen, so ist Folgendes zu bemerken: Seit Kaiser Joseph II.*) find die Juden in bürgerlicher Beziehung vollkommen frei. Die Ghetti sind längst von Juden derlassen. Es bleiben nur diejenigen da, die gewissermaßen ein נח^ת אבות La haben, und diejenigen die in tiefer drückender Armuth leben. Grundbesitz ist vollkommen frei gegeben. Die Juden Italiens haben nicht das Leid zu tragen, das ihre Brüder in den übrigen Krönländern Oesterreichs tragen. Wenn judenseindliche Stimmen so gern auf Galizien Hinweisen, wo durch die Juden die Parcellirung des Grundbesitzes vor sich geht -— eine Anklage die allerdings nur durch vereinzelte Fälle begründet werden kann, währenddem es in Galizien viele Juden gibt, di« zur Hebung des Ackerbaues viel beitragen — so möchten wir auf die Juden in Italien hinweisen, die in dieser Beziehung mannichsache Verdienste haben. EL gibt auch hier viele Juden und vcrhältnißmäßig inehr als anderswo, die den österreichischen Erbadel besitzen**). Manche bekleiden Staatsämter und ist die Regierung überhaupt geneigt, Italien mehr Concessionen zu machen als den übrigen Kronländcrn, und ebenso den Juden die in Italien wohnen. Das sociale Leben kennt hier gar keinen Unterschied zwischen den Confessioneu, mit Ausnahme Triests, welches •— meine Landskitte mögen das mir verzeihen — in dieser Richtung sich deutsche Traditionen gewahrt hat, trotzdem es sich sonst gern zu Italien zählt. In Triest wurde vor einigen Jahren ein Casino gegründet, und dieses schloß die Juden aus. In dem übrigen Italien schämt sich der Mobile nicht neben einem Juden zu sitzen. Dieses ist kurzgesaßt die Stellung der Juden nach Außen. Ich gehe nun auf die innern Verhältnisse über. Es ist bekannt, daß die hiesigen Juden in religiöser Beziehung *) In einer Depesche vom Minister Kaunitz datirt 31. Januar 1791 heißt es: ״E che si continui a considerarli pardficati ai Cristiani per tutti gli effetti Civiligijidiziarj; e politici:.al somma che sieno trattati eon tutta la dolcezza de’ sani principj. ad ogni riguardo. '*) Gelegenheitllch sei bemerkt, daß zur Zeit des Herzogs Philipp. Maria in Mailand,, dessen Leibarzt Ritter Elia Richter der Juden war, sowohl in Civilals ErrminalMen. (Decret vont 20. August 1439.)