Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Ibn-Gebirol's (Avicebron's) Bedeutung für die Geschichte der Philosophie
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 390 (sequence 5)
- Language
- German
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390 Wissenschaftliche Aufsatz«. denheit ist weder Materie noch Form, sondern die Entfernung vom Urquell, von der reinen schlechthinnigcn Einheit. Das Gewirkte muß schwächer sein als das Wirkende, ist ein Fundamentalsatz sowohl bei Plotin als bei Gebirol. Ist nun das Wirkende das Eins, das in sich keine Unterschiede hat, so kann das Gewirkte als abgeleitete Einheit nur eine zusammengesetzte Einheit sein, d. hsie muß aus Materie und'Form bestehen. Halten wir die Entfernung vom Urquell als Princip der Differenzirung fest, so begreift sich leicht, wie die qnalitätslose Materie, eben insofern sic qualitätslos ist, keinen andern Unterschied an sich haben kann, als ihre größere oder geringere Disposition für die Aufnahme der Formen je nach ihrer größeren oder geringeren Entfernung vom Urquell, und in diesem Sinne wird von ihr gesagt, daß sie in sich indifferent, also eine sei. Die Form ihrerseits als Inbegriff aller Qualitäten wird durch ihr Eingehen in die Materie genöthigt, sich zu differenziren, und in diesem Sinne kann sie das Princip des Unterschiedes heißen. Woher stammen aber Materie und Form? Hier tritt der Wende- Punkt ein, wo Gebirol durch Verkennung des Plotinismus, zu der das Streben nach religiöser Accomodation ihm die Geneigtheit, die Abweichungen des Proklus das Muster gaben 5), dem Plotin wie sich selbst untreu wird. Nach Plotin find sie in Gott selbst nicht zu suchen. Das ist ja eben das Wesen des Gewirkten, daß es so einheitlich nicht ist, wie das Wirkende, d. h. darum muß das Gewirkte die Einheit zweier differenten Prineipien sein, weil es nicht dem Wirkenden selbst gleich sein kann. Materie und Form sind also in ihrer Gesondertheit nicht Wirkungen Gottes, sondern ihre Einheit ist sein Werk, ihre Zweiheit in der Einheit muß rein ideell begriffen werden aus ihrer Entfernung von der unterschiedslosen Einheit. Gebirol hingegen verlegt Materie und Form als Ideen in das Wissen Gottes (V. §. 34), und wenn das ernstlich gesagt sein soll, so tritt er mit sich selbst in Widerspruch. Gebirol hat in der Thal kein Recht, vom Wissen Gottes zu sprechen. Ist die Urkraft wissend, so hat sie auch in sich die Zweiheit des Denkenden und Gedachten. Will er das als keine Zweiheit gelten lassen und soll darin seine Unterscheidung von Plotin liegen, so srägt es sich erstens, warum -er das Absolute mit Plotin als unerkennbar erklärt, zweitens warum er diesem in der Annahme eines vov!; (^שכי) als der ersten inkelli- 5) Ueber die Lehre des Proklus von dem Ursprünge der Materie vgl. Zeller, die Philosophie der Griechen, Band 3 zweite Hälfte S. SSV.