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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1857-01-01 · Heft 10 · p. Seite 389

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
6 (1857)
Issue
Heft 10
Article
Ibn-Gebirol's (Avicebron's) Bedeutung für die Geschichte der Philosophie
Date
1857-01-01
Page
Seite 389 (sequence 4)
Language
German
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Wissenschaftliche Aussätze. 389 15. Jahrhundert blühte in Italien, von den flüchtigen byzantinischen Gelehrten angeregt und durch die Gunst des Cosmo und Lorenzo Medici, mit dem Studium des Plato zugleich das des Plotin, und Marsilius Ficinus gab demselben einen bedeutenden Aufschwung durch seine paraphastische Uebcrsetzung und seine weitläufigen Abhandlungen über die einzelnen Bücher deffelben. Gehen wir jetzt in das 13. Jahrhundert zurück; so wird es leicht werden, den Eindruck zu begreifen, den die eigenthümliche Lehre Gebirol's selbst dem Aristotelismus gegenüber machen mußte, Man mag nämlich über den Neuplatomsmus denken, wie man will — und es gibt wenige philosophische Systeme, die so alle Stufen der Gunst und Ungunst in der Beurtheilung betreten haben — es war immerhin einer der tieffinnigsten Versuche, über den durch Aristoteles' nüchterne Verständigkeit blosgelegten Dualismus von Materie und Form, der schon in Plato seinen poetisch verhüllten Anfang nahm, hinauszukommen. Das Charakteristische in der Lehre Plotin's wie Gebirol's liegt nun zunächst in der Eliminirung des Sinnlichen dadurch, daß der qualitative Unterschied desselben vom Uebersinnlichen in einen blos quantitativen verwandelt wird. Die intclligible Welt und die sinnliche unterscheiden fich nur durch ein Mehr und Minder. Beide sind ein Ausfluß, oder richtiger eine Wirkung der in sich unterschiedlosen, schlechthinigen Einheit, die, weil über allem Denken und Sein erhaben, auch unerkennbar ist. Das Jntelligible als diesem Urquell, dieser reinen Einheit näher, hat mehr Theil an ihr, ist in sich geeinter. Umgekehrt hat die Entfernung vom Urquell zur Folge, daß das ineinander unräumlich Seiende auseinander getrieben wird und den Raum erzeugt. In Beiden jedoch, im Jntelligiblen, wie im Sinnlichen, ist ebensowohl Einheit als Verschiedenheit, und der Ausdruck für dieses Sachverhältniß ist, daß sowohl die intelligible als die diesseitige Welt aus Materie und Form besteht. Welches von diesen beiden constitutiven Elementen alles Endlichen ist nun das Princip der Einheit und welches das der Verschiedenheit? In der Antwort auf diese Frage scheint Gebirol sich selbst zu widersprechen. Denn einmal erklärt er, daß die Materie das Princip der Einheit sei und daß alle Differenz nur darauf beruhe, daß die Form sich differenzire, und bald daraus meint er, daß alle Formen nur eine Form seien, die nur dadurch eine Vielheit, eine Welt von Formen werde, daß sie in die Materie eingehen müsse, so daß wir also in dieser das Princip des Unterschiedes zu suchen hätten (B.IV. §. 1 u. 2.). Der wahre Sachverhalt ist einfach folgender. Princip der Verschie-

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