Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1857-01-01 · Heft 10 · p. Seite 374

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
6 (1857)
Issue
Heft 10
Article
Don Pedro und sein Schatzmeister Samuel Lewi
Date
1857-01-01
Page
Seite 374 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829206-2829217-2855406--03827-2855431
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

374 Don Pedro und fein Schatzmeister Samuel Lewi. mit genauer Prüfung, und die ihn verherrlichenden Volkslieder und Balladen tragen auch für den Historiker bedeutsame Urtheile an sich. In seinem ganzen Wesen besaß Pedro Etwas von jenen Chalifen, bereit Legenden und Erzählungen das Ergötzen und die Lieblingslwschäftigung seiner unglücklichen Jugend ausmachten. Von ihnen lernte er Gerechtigkeitsliebe und Duldung, aber auch jenes rasche Verstoßen seiner treuesten Freiende, selbst der einst sein ganzes Gluck bildenden Herzensfreundin. Die von ihm angewandte Tortur, unter deren Marter wir Samuel Lewi sein glorreiches Leben enden sehen, kommt auf Rechnung des Jahr- Hunderts. Dieser Jude blieb, nachdem auch die hellauflodernde Flamme des Königs zu Maria de Padilla, welche sich, hierauf, aber nur auf kitrze Zeit in ein von Pedro mit päpstlicher Bewilligung neu gegründetes Kloster zurückzog, erloschen war, sein einziger Freund, der ttt den ersten Jahren des nun ausbrechenden Krieges nicht von seiner Seite wich. Das Jahr 1333 war zu Ende, und mit ihm auch die Ruhe des Königs und des Landes dahin. Der Frühling des folgenden׳ Jahres näherte sich, und mit ihm Krieg und Zwietracht. Der nach den Kronen lüsterne Heinrich von Trastemare hatte sich nämlich mit dem feilen Mörder seiner Mutter, dem verabschiedeten, auf Rache sinnenden Albuqnerque zum Sturze Pedro's verbunden. Das Signal zum Kampfe war gegeben, das ganze Königreich glich einem feindlichen Lager, allenthalben bildeten sich Parteien, dem ganzen Lande drohte Gefahr. Nur mit geringer Mannschaft vermochte der König seinem ihm au Macht überlegenen Gegner entgegenzutreten; seine Vasallen hatten ihn zum grösten Th eil verlassen, seine eigene Mittler war zu den Feinden übergetreten, außer wenigen ihm treu gebliebenen Verwandten der Padilla war ihm nur Samuel Lewi mit den Seinen gefolgt. Die Abwesenheit des Juden war den Feinden des Königs sehr erwünscht; denn während er seinen in der Flucht Hilfe suchenden Regenten von Lager zu Lager begleitete, alle Mühseligkeiten und Beschwerden mit ihm theilte, erschienen 500 Reiter der an Geld Mangel leidenden verbündeten Armee in Toledo und bemächtigten sich der gefüllten Koffer des königlichen Schatzmeisters; bald hernach wurde er auch seiner Freiheit beraubt. Pedro hatte sich mit seinem schwachen Gefolge nach Toro begeben. Sobald die feindlichen Brüder von der Flucht benach-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.