Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Don Pedro und sein Schatzmeister Samuel Lewi
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 373 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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373 Don Pedro und sein Schatzmeister Samuel Lewi. Lewi entfernte sich. Auch Albuquergne tra.t schäumend vor Wuth unverrichteter Sache als entlassener Minister die Rückreise cm3). An demselben Tage, den 6. Juni 1393, feierte Pedro mit der Entlastung des Ministers an der Seite seiner Geliebten und im Kreise der ihm znjanchzenden Juden in Toledo seine eigentliche Thronbesteigung — es war ein wichtiger Moment, in welchem auch die Pläne zu den großen, den König überlebenden Bürgerkriegen geschmiedet wurden. Es ist hier wohl der Ort, einige Worte über Pedrsss Charakter zu sagen. Nicht Grausamkeit kann man ihm vorwerfen, nicht diese Tyrannei, womit eine ganze Reihe älterer und neuerer Historiker seinen Namen beflecken, sondern der Argwohn, der den Unglücklichen und oft Betrogenen in Jedem einen Feind erblicken läßt, seine in der Jugend genährte Melancholie und eine unersättliche, ihn beständig quälende Geldgier sind die Beweggründe zu der übereilten, seine Regiernngszeit und seinen Charakter verdunkelnden Thaten. Nur seine Abneigung gegen die Kirche und ihr Regiment, die beständige Opposition, in der er mit dem Papste lebte, der Schutz, welchen er den Juden augedeiben ließ, verschafften ihm die aus dem Schlamme der Parteilichkeit und der Schmeichelei erzeugte Benennung ״grausam", wie Mariana ausdrücklich bemerkt. Rief doch Papst Urban bei der Kunde von seinem Tode freudig ans: ״Die Kirche müsse sich freuen über seinen Tod, weil er Gönner der Saracenen und Inden, ein ketzerischer Mehrer der Ketzer und Mörder christlichen Volkes gewesen sei." Abstrahiren wir voll einzelnen, wenn man so sagen darf, päpstlichen Ausdrücken, so liefert uns dieser Ausruf das treueste Charakterbild, welches von Pedro zu entwerfen ist. Begünstigung der Juden war natürlich Opposition und Ungehorsam gegen die Kirche, und in jener Zeit der Hierarchie nichts anderes als Grausamkeit. Doch hat schon die den Jndell eben nicht sehr geneigte und der Kirche nicht widersprechende Jsabella die Katholische dafür gesorgt, daß Pedro der Beiname ״grausam" genommen lind ihm ein anderer, weit passenderer, ״der Gerechte", beigelegt wurde. Ja gerecht war er, streng gerecht; er war der eifrige Beschützer der Unterdrückten, Feind alles Unrechts und ausgemachter Gegner jeder Gewalt; das war er dem Volke, und nur das Volk, nicht der im Dienste des Feindes stehende Chronist, richtet den Regenten 3) Ayala, 1. c. 4. anno. Cap. XVI.