Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Briefe aus Österreich
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 333 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Briefe aus Oesterreich. 333 her, und so sehr auch die Dilatoren über ״Judenpreffe" klagen, wollen die betreffenden Journale doch nicht von diesen Subjecten gehetzt werden. Wenn ich übrigens von einem großen politischen Journal spreche, so ist es wohl unnöthig zu bemerken, daß ich nicht etwa glaube, es gäbe eine Wische Politik oder eine jüdische Nationalökonomie; 8aln8 reipublicae snprema lex esto müßte nach wie vor die Losung sein'; das Recht des Juden aber müßte mit aller Kraft vertheidigt und zugleich nach Außen hin Juden und Judenthum in das rechte Licht gestellt werden. Man kann es nicht genug wiederholen: Man kennt Juden und Judenthum sehr wenig, trotzdem man mit uns zusammenlebt. Daher so mannigfache Mißverständniffe und Unverständnisse. Der Katholik kann es überhaupt nicht begreifen, wie cs möglich ist, daß das Judenthum ohne Geistliche, die die Gewalt zu lösen und zu binden haben, ohne Bischöfe und ohne Pabst bestehein kann. Ich kann Ihnen aus wohlunterrichteter Quelle mittheilcn, daß man an maßgebenden Orten sich eine Zeit lang mit dem Gedanken trug, ob es nicht möglich wäre, einen hohen Priester neuerdings einzusetzen. Noch weniger begreift man, wie eine Religion ohne Dogmen bestehen kann. Und würden wir nicht eine Jahrtausende lange Geschichte für uns haben, die Herren würden den Untergang Israels auf den nächsten Tag festsetzen. Allerdings hätte sich ein solches Blatt ferne zu halten von rein religiösen Angelegenheiten und soll dasselbe kein Tummelplatz für die verschiedenen Parteien im Judenthume werden. Es handelt sich nicht um einen Rechtszustand für den oder jenen Juden mit dieser oder einer andern religiösen Ueberzeugung zu erringen, sondern sür den Juden überhaupt. Die materiellen Mittel dürsten zu einem solchen Unternehnien nicht fehlen und dürfte man allerdings auch nicht scheuen, Opfer zu bringen. Ich komme wieder auf den ״österreichischen Volksfreund" zurück. Das Blatt ist nicht durch die Abonnenten gedeckt und doch scheut es nicht der ״Severinusverein", immer wieder Geld zuzuschießen. Es versteht sich übrigens von selbst, daß dieses Blatt in Wien, im Mittelpunkte des Reiches erscheinen müßte. Dieses kurzgcfaßt ein Antrag, dem wir wünschen, daß er berücksichtigt werde. Der Vorstand der Wiener Gemeinde, der schon öfters das Wort für die Juden der Provinzen ergriffen hat, wird gewiß diese Motive nicht unbeachtet lassen und diesen Vorschlag in Berathung ziehen und beschließen, was zum Heile Israels ist.