Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Briefe aus Österreich
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 332 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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332 Briefe aus Oesterreich. auf den Scheiterhaufen und den herrlichen Gesang der Psalmen, der während des Officiums stattgefunden hat. Diese Kundgebungen des Fanatismus mögen übrigens auch. dadurch hervorgerusen worden sein, daß in letzter Zeit das Gerücht allgemein war, daß unsere Verhältnisse geregelt und zwar sehr günstig geregelt werden sollen. Ich möchte aber diese Gelegenheit, die hoffentlich von Seite der höhern Behörden genügend geschlichtet werden wird, wie Saatz erledigt wurdet, dazu benutzen, um einen, wie es mir scheint höchst wichtigen Gegenstand anzuregen, und möge das Organ, worin derselbe befürwortet wird, demselben den Weg bahnen. Es ist unnöthig, auf die Macht der öffentlichen Presse näher einzugehcn. Es mag wohl da und dort noch eine fromme Seele geben, die die gesammte Presse sammt der Preßfreiheit verdammt. Nach wie vor aber, wenn man noch so lästerlich über Zeitungen geschimpft hat, nimmt man sic dann wieder zur Hand, um die Tagesgeschichte zu erfahren. Kein Staatsmann verkennt die Macht der Presse mehr, und wenn es auch heißt: ״lügen wie gedruckt", so ist das Wort, wenn es einmal gedruckt ist, von besonderer Bedeutung. Der Katholicismus in Oesterreich, dem man doch nicht nachsagen kann, daß er auf schwachen Füßen stehe, hat diese Stellung erkannt und hat nach dem Coneordat ein größeres politisches Organ, ״Der Volksfreund", in Wien begründet. Außerdem aber bestehen mannigfache Kirchenblätter. Ueberdies ist es die katholische Kirche, die bei uns die herrschende ist. Wäre es nun nicht an der Zeit, ein großes politisches Organ zu begründen, das es sich zur Aufgabe stellt, die jüdischen Interessen zu vertreten? Ich muß nämlich dabei bemerken: sämmtliche Kirchenzeitungen so wie ״der Volkssreund" treiben aus eigene Faust Politik, und wenn man mit höher gestellten Staatsmännern spricht und auf die Ausschreitungen dieser Blätter hinweist, die manchmal allerdings den Herren selber manche Verlegenheiten bereiten, so heißt es: Diese Blätter vertreten ihre eigenen Ansichten und es steht nichts im Weg«, wenn man ihnen entgegentretcn will. Nichts desto weniger bewährt sich aber das Sprichwort: Calrarmiare aiulacter sempei׳ aliquid haeret. Bei solchen Um- und Zuständen wäre cs nothwendig, stets auf dem qui vive zu stehen, um die Verleumdungen und Verhetzerungen zurückzuweisen. Dazu gibt sich aber kein anderes Journal *) Während wir dieses schreiben, ist bereits die Angelegenheit geschlichtet und der Auftrag der Bezirksbehörde zu Secbusch annullirt.