Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Danzig
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 325 (sequence 5)
- Language
- German
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Zur Geschichte der Juden in Danzig. - ' 325 R. Elchanan dorthin berufen. Umfang, Bedeutung und Einträglichkeit der Stelle mußten im Vergleich mit seiner jetzigen sie ihm als bedeutendes Avancement erscheinen lassen, und so nahm er sie denn auch an, trotz des Widerstrebens seiner Frau, welche sich von Heimat und Verwandten ungern trennte, und ungeachtet der Bitten seiner Gemeinde, der Ihrige zu bleiben. Er hatte also jene Vocation angenommen, und schon waren seine Bücher in Kisten verpackt, nur auf dem weiten Umwege zu Schiffe nach Amsterdam und von da nach dem Rhein befördert zu werden; er selbst trat die damals sehr langwierige, mühselige Reise mit Frau und zahlreichen Kindern zu Wagen an. Eine Meile weit begleitete ihn die ganze Gemeinde, hier sollte nun die Trennung vor sich gehen. Da brach die ganze Gemeinde in Thränen und Schluchzen aus, das bei der Frau des Rabbiners und ihren Kindern ein starkes Echo fand und den Rabbiner so weich stinnnte, daß er's nicht über's Herz bringen konnte, die Reise fortzusetzen. Er kehrte um und blieb Rabbiner der Altschottländischen Gemeinde bis an sein zu früh im Alter von 67 Jahren erfolgtes Ende im Jahre 1780, am Freitag den 22. Elul. — Das Opfer, das hier seine Klugheit seinem Gefühle brachte, war wirklich groß, denn seine Stellung in Altschottland fristete ihm nur ein sehr dürftiges Auskommen, er hatte nur 12 Gulden wöchentlich, und wenn auch die Nebeneinkünfte eben so viel betrugen, so war das doch nur etwa 300 Thlr. jährlich, und davon eine zahlreiche Familie zu unterhalten, mußte selbst bei dem damaligen höhern Werthe des Geldes schwer fallen. Die Gemeinde hatte denn auch ein Einsehen und bewilligte ihm die jährliche Hansmiethe mit 200 Gulden, auch ließ sie ihm zuweilen die Krupke - Gefälle aus Geflügel als Gratisication zukommen. Dennoch ging es ihm kümmerlich und ans nachgelassenen Briefen geht hervor, daß er von seinein Vater (?) durch Geldsendungen unterstützt wurde. Dabei verwaltete er fremde Gelder zum grösten Vortheile der Berechtigten. Im Gemeindebuche wird documentirt, daß der Rabbiner vor seiner beabsichtigten Abreise nach Bonn, als Voruluud der Waisen eines gewissen R. Leiser, deren Erbtheil von 118 Ducaten nebst 10 vom Hundert Zinsen deponirt habe. Später konnte diese Erbschaft nur zu 7 pCt. angelegt werden. Mit Gelehrsamkeit, liebevoller Sorgfalt für die Gemeinde und Rechtlichkeit verband dieser Mann auch eine Bescheidenheit