Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Über das Alter des Hillel'schen Kalenders
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 309 (sequence 3)
- Language
- German
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309 Wissenschaftliche Aufsätze. Sukka 54 b stehen. Dort wird nämlich geradezu behauptet, daß das Eintreffen des Versöhnungstages an Freitag und Samstag nur nach der Meinung der Acherim möglich ist; nicht aber nach der Meinung der andern Gelehrten, da doch aus so vielen Facten und wirklichen Begebenheiten das Gegentheil sich ergibt. Schon Tosasot Menachot 100 b fühlte die Schwierigkeit, ohne sie beantworten zu können. Diese Stelle scheint daher sehr verdächtig und dürfte sie vielleicht eine Interpolation ans der Saburäer- oder der Gaonimperiode sein. Uebrigens ist auch auffallend, daß diese Stelle nirgends mehr vorkommt, obschon sich so oft hierzu Gelegenheit darbietet, was unsern Verdacht gewiß rechtfertigt. — Auch der jerus. Talmud kennt diesen Nothbehelf noch nicht und scheint demnach diese Ansicht nicht zu theilen, wie wir gleich sehen werden. Sabbat Ab. 15, 3 Fol. 114 heißt es: Man darf nicht das Opserfett vom Sabbat am darauffolgenden Versöhnungstage darbtingen und auch nicht umgekehrt. Ferner wird daselbst folgende Beraita citirt: Fällt das Versöhnungsfest auf einen Freitag, so darf nicht wie gewöhnlich geblasen werden zum Zeichen des Sabbatbeginnes; fällt es auf einen Sonntag, so wird beim Ausgang des Sabbats das Habdalagebct nicht gesagt. Sonderbar wird serus. Sabbat I. c. darüber debattirt, warum im letzten Falle der Habdalasegenspruch nicht gesagt wird und R. Abun sagt ausdrücklich, daß derselbe beim Gebet eingeschaltet wird! יו״ב שחל באחד בשבת אר׳ אבון מבדיל בחפיסה. — Nirgends wird eingewendet, daß diese Fälle nicht eintreffcn können, ja sogar R. Abun findet cs nöthig, eine Segenssormcl dafür zu verfassen! Vgl. auch Joma 46 a. — Läßt sich nun annehmen, daß die Mischna und die Beraita an so vielen Orten überall die Meinung des R. Meir, Acherim, acceptirt haben, die doch die Halacha gänzlich verwirft? — Pessachim 54 b endlich bespricht der Talmud den Unterschied in Betreff des Fastens zwischen Jom Kippur und dem 9. Ab und dabei führt R. Schischa b. Jdi (einer der letzten Amorain, denn dessen Vater R. Jdi st. 452 d. g. Z.) an, daß des Zweifels wegen Jom Kippur doppelt gefeiert werden muß, vgl. das. Konnte aber in den Tagen des R. Schischa ein solcher Zweifel noch stattfinden, da doch damals schon 100 Jahre der Hillel'sche Kalender exiflirte!? Hinsichts des Laubhüttenfestes gelten die Normen: לא א״ד״ו סכות ושמיני ענודה ולא" ג״הו הושענה רבה . Sukka 4, 1 erzählt hingegen die Mischna, daß, wenn der 7. Tag des Laubhüttenfestes am Sabbat eingetroffen, im Tempel die Weidencercmonie celebrirt wurde, u. s. w. Bekanntlich bildete die Weidenceremonie im Allgemeinen und vorzüglich