Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Die Niederlande und das holländische Leben
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 290 (sequence 6)
- Language
- German
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- Oran 1× ep/1048048
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290 Die Niederlande und das holländische Leben. der großen Zerstreuung kam; 800,000 Personen °), die sich ans alten Provinzen gesammelt, Frauen, Kinder, Greise, Kranke nahmen den Weg des zweiten Exils, ״und wir wunderten nur mit Gott unserm Führer", erzählt Einer von ihnen''). / Die Reichen zahlten mitleidig die Kosten der Abreise für die Armen, und so bekehrten sich nur sehr wenige der am meisten Nothleidenden znm Christenthum. Zu Fuß, zu Pferde, auf Esel, in Wagen sah man diese Unglücklichen nach dem Meere oder der Grenze ihren Weg nehmen. Die Menge war zusammengesetzt aus Arbeitern, welche in verschiedenen Professionen ehrlich ihr Brod verdienten; lange Uebung, verbunden mit verständiger Einsicht, hatte sie weit über die arbeitenden Klassen der christlichen Bevölkerung gestellt. Eine verblendete Politik raubte Spanien Arme, die seine Industrie aus eine blühende Hohe gebracht, Männer von Wissenschaft und Geist, welche Licht inmitten einer Zeit der Unwissenheit verbreitet hatten. . Die Medicin war fast ganz in den Händen der Juden, die christliche Bevölkerung fand sich durch deren Vertreibung des Beistandes dieser Wissenschaft beraubt; die Fabriken der Halbin sei erhielten einen tödtlichen Stoß; die Academien, die Schulen, die gelehrten Gesellschaften wurden ausgelöst. Die aus Spanien vertriebenen Juden schifften sich aus allen Punkten der Halbinsel nach Italien, Marocco, der Türkei und den Küsten der Levante ein. Eine Flotte von zwanzig Segeln brachte mehrere dieser irrenden Familien nach der algierischen Stadt Oran, wo ihre Nachkommen sich noch Heute befinden; die größere Zahl wendete sich nach Portugals, welches ihnen ein Spanien ähnliches Klima, fast dieselbe Sprache und eine gewisse Ucbcreinftimmung der Sitten bot. In dem alten Lusitanien genossen die Juden seit mehreren Jahrhunderten das Asylrecht; einige hatten sich im Schatten einer friedlichen Niederlassung zu hoher'socialer Stellung erhoben. Auch hatten sie dem Staate wichtige Dienste geleistet, indem sie die ersten Kenntnisse der Philosophie, der Botanik, der Medicin und der Erdbeschreibung verbreiteten, sie hatten ferner das Studium der heiligen Sprache eingeführt, auch waren sie den Portugiesen bei der Entdeckung Ostindiens zur Seite gegangen. Doch trotz dieser Ansprüche auf 5) Nach Marbanel a, a. O. S. 486 belief sich diese Anzahl auf 306,000. 6) Vgl. die a. a. O. S, 486 angeführten Worte des Abarbänel. 7) Nach Prescott a. a. O. S. 479 ungefähr 80,000 Personen.