Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Briefe aus Süddeutschland
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 260 (sequence 5)
- Language
- German
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260 Briefe aus Suddeutschland. Wortes ein אוהב ישראל, und so ist auch in den höheren Beamtenkreisen eine humane Gesinnung gegen unsere Glaubensgenossen vorherrschend. — Zu wünschen wäre jedoch, daß der Gewerbsstand unter denselben im größern Maße repräsentirt werde; im Allgemeinen besteht die jüdische Bevölkerung aus Kaufleuten (auch einigen Banquiers) und Producten- Händlern. Ein Kürschner, ein Messerschmied und ein Schlossermeister bilden eben die Ausnahmen; hoffen wir aber, daß unsere dortigen Glaubensbrüder unter dem Schutze einer so gerechten und humanen Regierung sich mit der Zeit in allen socialen und industriellen Verhältnissen zum Gemeinwohl des Vaterlandes vervollkommnen werden, auf welchen so lange die Ungunst der Zeiten und der exclusive Geist der Menschen ruhten, und die für sie nichts weniger als ermuthigend, sondern hemmend und beschränkend waren. VI. Wir gelangen jetzt zur Darstellung der politischen, socialen und cultuellen Verhältnisse unserer Glaubensbrüder in einer Gemeinde, die in früheren Zeiten mit uugetheiltem Rechte ״ עיר ואם בישראלdie Hauptstadt und die Mutterstadt in Israel" genannt wurde, mit demselben Rechte, mit welchem sie heute ״die stolze Mainstadt" in Prosa und in Versen betitelt wird. Nun denn, was den Stolz betrifft, so hat die Finanzwelt allerdings ihr gut Theil daran: sie weiß Lei aller Ungemüthlichkeit in ihren privilegirten Angelegenheiten doch recht gemüthlich einen klingenden, wohltönenden Nimbus um die schönsituirte Mainstadt zu legen —; aber auch wir wollen an dem Stolze participiren, denn allerdings dürfen wir Israeliten auf unsere Glaubensbrüder in Frankfurt am Main stolz sein. — Schreiber dieses wird bei seiner Darstellung nach mischnaischer Rubricirung, jedoch in entgegengesetzter Rcihensolge, 'zuerst über גמילת חסרים, Humanität, alsdann über עבורה, Cultus, und zuletzt über חורה, Wissenschaft, berichten, und der geehrte Leser wird ihm gerecht werden und wenigstens bei der Mehrzahl jener Grundsäulen eines gedeihlichen Gemeindelebens den beanspruchten Antheil an dem Stolze zugestehen. Es sei nur vorher noch bemerkt, daß die Gemeinde bei einer Gesammtbevölkerung der Stadt von 60,000 Einwohnern 4000 Juden zählt; außer Frankfurt bewohnen die übrigen zum Staatsgebiet gehörenden Ortschaften keine Juden; in der Stadt selbst befindet sich aber noch eine Anzahl nicht eingebürgerter, auf Permission temporär sich aushaltender Israeliten, welche nicht in den Gemeinde-Registern eingetragen sind. Diese Anzahl belief sich im Jahre 1844 laut Polizeilicher,