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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1857-01-01 · Heft 7 · p. Seite 259

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
6 (1857)
Issue
Heft 7
Article
Briefe aus Süddeutschland
Date
1857-01-01
Page
Seite 259 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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Briefe aus Süddeutschland. 239 Gegenwart über, so wiederholt sich in diesem Ländchen, was wir im Laufe dieser Briefe oft genug berührt haben: der Mangel innerer Einheit, die Disharmonie auf dem Gebiete des synagogalen Lebens. Im Amte Meisenheim allmäliger und deshalb um : so vernünftigerer Fortschritt, in Homburg veraltete Abgeschmacktheit mit dem obligaten Lärmen beim ״Oren". Wir wollen jedoch, sintemal dieser Lärm noch in dem von Tausenden auswärtiger Israeliten besuchten Badeorte Homburg existirt, ganz still Weggehen und einige Blicke nach dem andern Landestheile wersen. Auch in den Landgemeinden ist das Mjzwoth-Versteigern in den Hades hinabgestiegen, zwei Mal ׳ im Jahre wird in ihnen gepredigt, und so oft sich dahin (freilich auf kurze Zeit) ein guter Chasan verirrt, sogar im Chore gesungen.. — In Meisenheim ist regelmäßige Predigt, welche mit einem deutschen Liede eingeleitet und geschlossen wird. Die Confirmation findet regelmäßig am Schcbuotfeste statt. Die bekannten Interpolationen zwischen der Thoraverlesung und dem Muffaph sind in ein deutsches. Gebet verschmolzen, das in mehreren Variationen alle sechs Wochen in derselben Form wiederkehrt. Am Tischa-be-Ab wird gepredigt, dahingegen werden nur wenige Kinoth recitirt; wir erwähnen noch, daß der Rabbiner Freitag Abend in der Synagoge einen Segen in deutscher Sprache laut ertheilt, wobei ebenfalls die Form mannigfach variirt. — Was die Wohlthätigkeitsinstitute betrifft, so nimmt Homburg, vermöge seiner numerischen Ueberlegenheit, die erste Stelle ein. Es ist dort 1) ein . Männerkrankenverein (ביקור חולים) mit 3000 Fl. Fond (dieser Verein zählt 50 Mitglieder); 2) ein Frauenkrankenverein; 3) ein Verein zur Holzvertheilung an die Armen (ח״ק דעץ• חיים) (zählt 60 Mitglieder); 4). ein Verein der Almofenspenden (גמילת 5;(חסדים) ein Talmud - Thora - V erein, der den Zweck hat, das Maaribgebet מימנו zu verrichten. — Andere Institute, jedoch ohne Constitution, sind eine Almosenkaffe für verschämte Arme, unter Leitung des Rabbinen, und eine solche für Frauen unter Leitung zweier Damen, sowie endlich ein israelitischer Lesezirkel unter dem Namen יהי אור, unter Leitung des gebildeten Kaufmanns Louis Lehmann. Berühren wir zum Schluffe noch mit wenigen Worten die sociale Stellung der dortigen Juden. In den unteren Schichten der christlichen Bevölkerung herrscht unverkennbar eine wenig freundliche Stimmung gegen Israeliten; es hegt ein jeder Theil ein gewisses Gefühl der Absonderung, und so ist beispielshalber in Meisenheim der Rabbiner das einzige Mitglied des Castno. In den oberen Schichten ist das entgegengcsetzte Verhältniß. Der jetzig« Landgraf ist im wahren Sinne des 20*

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