Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Über den Opfercultus nach biblisch-talmudischer Auffassung
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 254 (sequence 4)
- Language
- German
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254 lieber den Opfercultus, sein wird, jene Centralisation, die früher zur festen Verbindung der einzelnen Theile des Volksbundes bestimmt׳ war, in ihr Recht wieder eingesetzt werden solle; und zwar zu einer noch viel hohem Bestimmung, die Weder der zu einem gemeinsamen Verbände sich gestaltenden Menschheit zusammenzuhalteu. Es ist aber dieses ganz im Sinne und im Geiste der heiligen Schrift, wo Propheten und Psalmisten neben den verkündeten Ideen der Humanität und Höhe der Intelligenz, welche die Messiaszeit verherrlichen werden, auch ans die Wiederherstellung des Heiligthnms nebst dem Opfercultus Hinweisen. Darum finden in Mischna und Gemara Heiligthum und Opfercultus eine solche ausführliche Behandlung als הלכתא ^משיחא, wie alle andern Theile der Thora. Darum sind auch die Gebete zu allen Zeiten voll von Hoffnungen Und Wünschen für die Wiederherstellung des heiligen Tempels mit all seinen Opfern und Einrichtungen. Und es ist auf letztem Punkt besonders viel Gewicht zu legen, weil wir doch im Gebete den Ausdruck des Volksbewußtseins erblicken müssen, welches sich traditionell durch alle Zeiten erhalten hat. Wenn jedoch ׳eine gewisse Richtung in der Neuzeit urplötzlich zu einem andern Bewußtsein gelangt, demzufolge sie sich in ihrem Zartgefühle verletzt sieht anzunehmen, daß der blutige Opfercultus einst wieder hergestellt werden solle; so läßt sich zwar mit Gefühlen nicht rechtcn, aber hier handelt es sich um Beweise, und wo innere und äußere Zeugnisse der Lehre und des stebens so laut sprechen, da ist ein leeres Gefühl nicht hinreichend, sich als entscheidendes Gegengewicht geltend zu machen. Die Bücher der Propheten von Jesaia bis Malachi bezeichnen zuvörderst Jerusalem und den heiligen Tempel auf dem Berge Zijon als den Mittel- und Sammelpunkt aller Völker und der gesammten Menschheit in der messianischen Zeit, wosür Belege anzuführen wohl überflüssig ist, da dieses in allen messianischen Stellen der Propheten geschieht. Außerdem wird aber auch, wo von dem Gottesdienste im Tempel die Rede ist, der Opfercultus angeführt. So Jes. 19, 21. 60, 7; Jerem. 17, 26. 33, 11. 19; Jecheskel c. 40—48; Zephania 3, 11; Sacharin 14, 20,21 und Malachi 3, 3.4. Unsere stehenden täglichen und Festgebete, welche während und bald nach der Zeit des zweiten Tempels versaßt wurden, enthalten Bitten um die Wiederherstellung des Opfercultus,und in der ganzen talmndischen Literatur läßt sich nicht eine Stimme darüber vernehmen, daß gerade die Opfer in der