Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1857-01-01 · Heft 7 · p. Seite 255

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
6 (1857)
Issue
Heft 7
Article
Über den Opfercultus nach biblisch-talmudischer Auffassung
Date
1857-01-01
Page
Seite 255 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829206-2829214-2855211--03667-2855246
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

nach biblisch-talmudischer Auffassung. 355 messianischeil Zeit entbehrlich oder gar unwürdig sein sollen. Daraus ist aber mit Sicherheit zu schließen, daß sowohl das Volksbewußtsein wie die Wissenschaft die Wiederherstellung des Tempels sich unzertrennlich vom Opfercnltus gedacht haben. Die Frage jedoch, warum gerade in der messtanischen Zeit die Restauration des Opfercultus nöthig sein solle, findet, wie bereits oben angedeutet wurde, ihre Beantwortung dadurch, daß in jener Zeit für die gesammte Menschheit das Werk der Offenbarung vollbracht werden soll, wie einst für Israel in der Zeit seiner Erziehung und Begründung zum Volke Gottes. Wie damals aus dem Bunde des Individuums (בריח אברהם) der Volksbund gebildet wurde, so soll aus diesem wieder der Menschheitsbund sich gestalten, und hiermit das Werk der Offenbarung seine Vollendung erreichen. Wie damals das Heiligthum zu Jerusalem die Verknüpfung der Glieder und Stämme Israels zu einem in sich, im Geiste der Offenbarung zusammenhängenden Gottesvolke bewirken sollte, und der gottgeweihte Tempelberg mit dem Lichtglanze, der alle seine Theile durchdrang, strahlend hervorragte, Licht und Lehre nach allen Richtungen hin spendend, wie damals der heilige Tempel der Zusammenfluß aller Geister in Israel war, welche dahin ströniten zur Hebung und Belebung im Lichte der Offenbarung, zur lebensvollen, thätigen, opferwilligen Hingabe an die Bundesaufgabe Israels, so ״wird auch am Ende der Tage fest begründet sein der Tempelberg Gottes an der Spitze der Berge und erhabener sein als die Hügel, und Hinströmen werden zu ihm alle Nationen. Und gehen werden viele Völker und sagen: Kommt, lasset uns hinaufsteigen zum Berge Gottes, zum Tempel des Herrn Jakobs, daß er uns belehre über seine Wege und wir wandeln in seinen Steigen; denn von Zijon geht aus die Lehre, und das Wort Gottes von Jerusalem. Und der Herr spricht: Ich werde sie hinführen zu meinem heiligen Berge und ihnen Freude bereiten in meinem Andachtshause; ihre Ganz- und Schlachtopfer zum Wohlgefallen auf meinem Altar, denn mein Haus soll ein Andachtshaus genannt werden für alle Völker" (Jes. 2, 2,3; 56,7). Rabbiner S. Brann.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.