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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1857-01-01 · Heft 6 · p. Seite 219

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
6 (1857)
Issue
Heft 6
Article
Briefe aus Österreich
Date
1857-01-01
Page
Seite 219 (sequence 6)
Language
German
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219 Briefe aus Oesterreich. greifen, und bei den Behörden die selbstständige. Stellung der jüdischen Schulen zu befürworten. Ich glaube, es sei dieses jetzt ganz an der Zeit, bevor noch ein Zwischenfall fait accpnipli. gcwotben ist, und man dann hinterher den Usus nicht, abstellen will- - , . Ich sollte. :Ihnen wohl.׳ auch über jüdisch -literarische Thätigkeit berichten, doch ist diese nicht sehr bedeutend. Außer den Rabbinern gibt es höchst selten Personen, die diese Richtung vertreten, und selbst unter den Rabbinern sehr wenige. Diejenigen/ die hebräisch schreiben und auf talmudischem . Gebiete sich bewegen, finden keine Verleger und keine Käufer; da sind nach'wie vor'Nur die מפרייח״מ״ס, die ab gesetzt werden: und die in deutscher Sprache schreiben, sind nur Wenige. Allerdings ist nicht in Abrede zu stellen, daß es im Interesse der Wissenschast wäre, wissenschaftliche Materie in hebräischer Sprache zu bchandeln. Es gibt in Ungarn und auch in den andern Kronländern viele Juden, die Sinn für Wissenschaft haben, und denen das VerstäNdniß eines deutschen Buches ferner liegt als eines hebräisch geschriebenen. Diese studiren den 'מלות הגיון und den Doctor perpicxorum, und schöpfen daraus allein ihre philosophischen Kenntnisse. Wir möchten gerade nicht die ״Büchermacherei" befürworten; aber die allgemeine Ruhe ist doch auch kein Zeichen von besonderer Regsamkeit. Indem ich nun auf die einzelnen Gemeinden eingehen will, habe ich vor Allem eines traurigen Falles zu gedenken. Herr Oberrabbiner Löw Schwab in Pesth ist gestorben! Wieder wurde eine talmudische Capacität'zu Grabe getragen, wie sie heute zu Tage bei den Beer hetewlomdim immer seltener wird. Es ist dieses ein harter und schwerer Verlust für die Gemeinde/ wie für ganz Israel. Man könnte jetzt wirklich sagen: מי מרה דעה. Leider ist man berechtigt zu sagen, daß mit Abnahme talmudischer Wissenschaft die ungelehrte, sogenannte Neuorthodoxie immer Mehr zunimmt. Die Theilnahme beim Leichenbegängnisse von jüdischer wie von christlicher Seite, bis hinauf zu den höchsten Staatsbeamten, war außerordentlich. Als eine erfreuliche Thatsache wäre zu betrachten, daß man in Szenitz sich in dem Gedanken wiegt, ein Rabbinerseminar zu gründen, allerdings sehr in 1ru.ce. Es sollen nämlich die Bachurim, die sich daselbst befinden, durch Privatunterricht die classische Bildung erhalten.— So sehr man dieses Streben freudig begrüßen muß, so ist es doch schwer einzusehen, wie der jedenfalls gute Wille zur That werden soll. Das Wort ״Rabbinerseinin ar" ist bald ausgesprochen, aber schwer ausgeführt; und das Arge ist, daß derartige mißlungene Versuche nichts zur Hebung der Sache beitragen.

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