Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Briefe aus Österreich
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 220 (sequence 7)
- Language
- German
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220 Wissenschaftliche Aussätze. Wahrhaft erfreuend aber ist, daß manche Rabbiner mit ganzem Herzen die Hebung der Volksschulen fördern; so in Eisenstadt, Waag- Neustadtel. Sie find nicht blos Directoren um zn commandiren und die Lehrer als Automaten zn betrachten, sondern betheiligen sich mit allem Eifer am Unterrichte und wirken durch das gute Beispiel. Wissenschaftliche Aufsätze. Das dreisPrachige Gedicht im Tachkemoni oder Diwan des Charisi. ' Bekanntlich findet sich in der elften Makame des Tachkemoni ein Gedicht, das aus drei Sprachen — Hebräisch, Arabisch und Aramäisch —- componirt ist. Daß in den gedruckten Ausgaben — die zweite ConstantinopelerU nicht ausgenommen — namentlich der arabische Theil stark eorrumpirt ist, wird selbst ein des Arabischen Unkundiger leicht vermuthcn, der auch nur im hebräischen Text, wie ihn die Ausgaben darbieten, einige Zeilen gelesen hat; denn schon die wenigen Zeilen würden genügt haben, ihn von der völligen Unzuverläsfigkeit des fraglichen, Textes zu überzeugen. Vollends nun erst bei dem arabischen Text, wo schon die Unkunde der Sprache dem Editor große Schwierigkeit bereitete, — da mußte die Entstellung des, Textes nothwendig bis zur Unkenntlichkeit PA steigern^). Als ich daher vor einem Decennium den Entschluß faßte, LHarisi's unsterbliches Meisterwerk,von den schmählichen Fesseln, in welche früherer Editoren Jgnoranz und Indolenz es geworfen, zu, befreien und in seiner Integrität wiederherzustellen, war natürlich meine erste Sorge correcte Manuscripte zu erlangen, nach welchen der Text der betreffenden Dichtung berichtigt werden könnte. Ich wandte mich deshalb an den für alles wissenschaftsiche Interesse stets regen, und um die hebräische Literatur besonders, verdienten Hrn. Säm, Dav. Luzzatto, Professor am Collegium Rabbinienm in Padua, und der Erfolg übertraf meine kühnsten Er- Wartungen. Zwei Manuscripte von unschätzbarem Werthe, im Besitze 1) Von 1578 (Zunz, zur Gesch. S- 228ff.>; die Wiener Ausgabe von 1854 ist eine Tochter der Amsterdamer A. von'1729׳. 2) Nur einen Dvrtheil gewährt« beim Arabischen die llnkunde der Editoren, nämlich daß diese keine gewaltsamen Eingriffe in den Text sich erlauben konnten, was sie beim Hebräischen nur zu oft gethan.