Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Briefe aus Wien
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 179 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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179 Briefe aus Wien. auf, als im Jahre 1830 von Äaiser Franz gestattet wurde, daß Juden Fabriken besitzen dürfen. — So weit über unsere Verhältnisse nach außen; ich komme nun zu unfern innern Angelegenheiten. Ich muß bei unseren inneren Angelegenheiten vor Allem des neu zu erbauenden Tempels gedenken. Rüstig und rührig wird jetzt gearbeitet, um es möglich zu machen, daß man am nächsten Rosch haschono schon den Gottesdienst daselbst halten kann. Als Aufschrift am Heiligthum, welche die Jahreszahl enthalten soll, wurde vorgeschlagen קשר טוב. (Ich theile diese vorgeschlagene Aufschrift blos als ein Zeichen der Zeit mit.) Es soll nämlich bezeichnen, daß die Gemeinde stets von einem Kanon umschlungen sein wird. Schwarzseher fürchten nämlich, daß die Zukunft Spaltungen in ihrem Schooße berge, lieber all wittert man Streit und Sondergelüste. Hoffen wir, daß diese Furcht als unbegründet sich bewähren wird und cs wird der Mahnung nicht bedürfen. Die Aufschrift dürfte daher einfach lauten זה השער לד. Bereits beginnen die Vormerkungen ans die Sitzplätze, und es ist erfreulich zu sehen, daß Personen, die im Burg- und Kärnthcrthortheater auf Logen pränumerirt sind, auch in beiden Gotteshäusern ihre Betplätze sich bestellen. Die Cantorfragc ist übrigens noch nicht gelöst; doch dürste dies bald geschehen, denn bereits haben die Probcvorträge begonnen. Die Auswahl ist allerdings nicht so groß, wie bei den Predigern. Auch dürste bald die Religionslehrerstelle besetzt werden, nachdem der bisherige Religionslehrer Herr Breuer sich definitiv von feinem Posten zurückzieht׳). Es läßt sich jedoch schwer bestimmen, in welcher Weise die Reorganisation vor sich gehen wird, in so lange nicht alle die betreffenden Persönlichkeiten vereinigt sind, und jedenfalls wird es für die Nenankommenden Noth thnn, sich zuvor genau mit den hiesigen Verhältnissen vertraut zu machen. So viel scheint gewiß,, daß man insbesondere daraus Rücksicht nehmen wird, , dem Bibelunterrichte in der Ursprache eine größere Aufmerksamkeit znzuwenden , um den Schülern eine größere Summe des biblischen Wissens auf den Lebensweg mitzugeben. Freilich werden sich nach wie vor diejenigen irren, welche glauben, daß die Religionsschule allein in der kurzen Spanne Zeit, die ihr zugemeffen ist, die Kinder religiös erziehen könne. Die Erfolge können 2) Bei der Penfionirung dieses Mannes, der stets seinem Berufe mit Hingebung und Treue oblag, bar der Vorstand mit dem ihm eigenthümlichen Edelsinne gehandelt. 14*