Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Briefe aus Wien
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 178 (sequence 4)
- Language
- German
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178 Briefe aus Wien. eine Zolleinheit u. s. w. in Deutschland haben; doch über die Grundsätze des Rechtes und der Menschlichkeit, insbesondere wo es sich um Juden handelt, hat jeder Staat und jedes Statchen seinen eigenen Codex. Auch die Frage hinsichtlich der Lehrämter an Universitäten (Lehrämter für Juden an Volks- und Mittelschulen sind durch das Concordat unmöglich) soll einer günstigen Entscheidung entgegengehen. Es wird hoffentlich die Wissenschaft und das Christenthüm hierdurch nichts einbüßen. Erlauben Sie nur, bei dieser Gelegenheit eine subjective Ansicht auszusprechen, die vielleicht Manchem in dem ersten Momente sonderbar klingen wird. Der gröste Theil unserer berühmten Historiker steht auf einem confessiouellen Standpunkte, katholisch oder protestantisch. Wird einmal ein Jude von Begabung und Berus, eine Geschichte schreiben, so wird er unparteiisch sein und die Thatsachen nicht durch gefärbte Gläser anschauen. Endlich habe ich noch aus dem zu erwartenden Gesetze hervorzuheben, daß Handel und Gewerbe vollkommen frergegeben find (bis jetzt durfte ein Jude nicht Apotheker u. s. w. werden), mit Ausnahme des Handels mit Gegenständen, die beim katholischen Gottesdienste gebraucht werden. Um die umlaufenden Gerüchte vollständig zu geben, füge ich eine Version hinzu: Das Gesetz soll in der Weise, wie ich es angegeben, von Seite des Ministerrathes beschlossen worden sein; beim Reichsrathe war die entschiedene Majorität dafür, einige Wenige gaben ein votum separatum gegen einzelne Punkte. Es fragt sich daher, welcher Gesetzentwurs von Seite des Kaisers genehmigt werden wird. — Jetzt wachsen die Hoffnungen mit jedem Tage; ja man trägt sich bereits mit dem Gerüchte herum, daß dieses Gesetz nicht als Judengesetz erscheineu, sondern im Gemeindegesetz involvirt sein soll. So viel ist gewiß, daß die endliche Entscheidung bald erfolgen wird, da die osfieiellen Journale bereits darüber berichten. Eben so gewiß ist, daß Handel und Gewerbe vollkommen sreigegeben sein werden, wie es keinem Zweifel obliegt, daß Grundbesitz gestattet werden muß, wenn mau nicht noch bitterere Erfahrungen als bisher machen will. Es hängt mit der Freiheit der-Gewerbe gar Vieles zusammen, was bisher sehr beengend gewesen. Mit einem Zuge würde die Freizügigkeit hergestellt und das Pfahlbürgerthum, die sogenannte Zuständigleit, aushören. Das קושי שעבוד הג^ות hörte hier mit den! Momente