Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Über den Opfercultus nach biblisch-talmudischer Auffassung
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 174 (sequence 8)
- Language
- German
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174 Uet'cv den OpsercultuS rc. Nur ein Heiligthum, und später, nach der Besitznahme Palästinä's, auch nur an einem bestimmten Orte, sollte existiren. Nicht als ob die Andacht nur. an einer Stelle verrichtet werden sollte; ÄndachtHstätten und Andachtsübungen sollten und mußten zu allen Zeiten überall vorhanden sein. Mit Recht läßt der Talmud Gebet und Andacht mit den Uranfängen des Judenthums verwebt und verbunden und die Institute der drei täglichen Gebete schon in dem Leben .der Stammväter begründet sein (Berachot 26k). Die außerordentliche Thätigkeit, welche in der David-Salomonischen Zeit in Anfertigung von Psalmen und Gebetstücken vorhanden war, kann nur in einem im Leben tiefgefühlten Bedürfniß derselben ihren Grund haben. Wenn Jesaias, nachdem er früher (c. 1, 11—14) über die Opfer gesprochen, noch (V. 15) dem Volke zuruft: ״Wenn ihr eure Hände faltet, wende ich mein Auge von euch; wenn ihr auch Gebet häufet, ich höre nicht", so ist doch daraus zu entnehmen, daß außer dem Tempel- und Opfcrcultns noch anderweitige Andachtsübnugen im Gebete bestanden haben. Auch für vorhandene Andachtsstätten spricht deutlich Psalm 74,8: מועדי אל5 בארץ b שרפו. Der Bericht Josua e. 22 weist ebenfalls in den speciellen gegenseitigen Vorstellungen nach, daß dort die Besorgniß einer Separation vorlag, weshalb in der Verth eidigung das Hauptgewicht darauf gelegt wurde, daß der betreffende Altar nicht zum Opfern bestimmt war, indem nur diese letztere Bestimmung eine Spaltung und Trennung des einheitlichen Gesammtlehens des Bundesvolkes zur Folge haben könnte. Hingegen,lag in der Bestimmung als Andachtsstätte, als Erinnerung und Machnung an die gemeinsame E.rkenntniß und Verehrung Gottes nicht nur eine vollgültige Rechtfertigung, sondern auch eine dringende Nothwendigkeit für die Errichtung des betreffenden Altars. Die Offenbarung auf Sinai und das darauf erfolgte Bundesopfer (2. M. c. 24) hat die ewige Vereinigung der einzelneu Glieder Israels zum Bundesvolke begründet und vollendet. Von nun ab ist der Bund Abraham's, als Bild der Verbindung des Individuums mit Gott, dem Volksbunde untergeordnet worden, so daß zwar jener noch immer eine wesentliche Nothwendigkeit blieb, ja diese. Nothwendigkeit sogar an Jntension zunahm, indem jeder Gesammt-Organismus nur in der Stärkung und Kräftigung der einzelnen Organe seinen Bestand haben kann, und diese Organe wiederum um so stärker und kräftiger sein müssen, als sie zu Gliedern eines Organismus verwendet werden, durch welchen