Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Über den Opfercultus nach biblisch-talmudischer Auffassung
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 173 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829206-2829212-2855072--03550-2855109- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
173 nach biblisch-talmudifcher Auffassung. der Einleitung zum Moreh) über die poetischen Bilder der Propheten (משק!י הנבואה), wo׳ er mit Recht behauptet, daß nicht immer alle speciellen Theile derselben zu ideellen Bezeichnungen, sondern einzeln auch nur zur Abrundung des Bildes gedient haben. Die poetischen Worte des Propheten, die Plastischen und actuellen Einrichtungcn des Heiligthums haben die gemeinsame Bestimmung, durch Bilder, welche die Offenbarung selbst entworfen und gezeichnet hat, die scientivischen und moralischen Ideen des Judenthums in faßliche Formen einzukleiden und auszupragen, Wobei der doppelte Zweck vorlag: einmal, durch dieses Medium jenen Ideen einen Weg zu bereiten, auf welchem sie vermittelst sinnlicher Eindrücke dem Geiste des Volkes zugeführt werden sollen; ferner um für sie gleichsam eine Hülle, ein Behältniß zu haben, wodurch sie sicher und unverletzt der Zukunft, den kommenden Geschlechtern für ewige Zeiten ausbewahrt werden können. Was jedoch bei den gesprochenen Bildern in Bezug ans Abrundung und Ergänzung geschieht, dasselbe mußte auch aus die sachlichen und actuellen Bilder Anwendung haben. Wie aber die Tradition mit frommer Besorglichkeit und strengster Pietät bestrebt war, durch die Maffora jeden Buchstaben und jeden Laut des gesprochenen prophetischen Wortes zu erhalten, so war sie auch in. der talmudischen Halacha bemüht, auch die kleinste formelle Einrichtung und Handlung im Heiligthum genau und speciell sestzustellen- Denn fürwahr, wie beim Durchlesen der Worte der Propheten der gemüthliche Eindruck erhöht und gesteigert wird durch den Gedanken: in dieser unveränderten Gestalt und Form entströmten die Worte dem Geiste und dem Munde des Propheten, ebenso erheben sich in steigender Jntension die frommen Gefühle des gläubigen Herzens, beim Hinblick auf die innere Beschaffenheit und Thätigkeit des HeiligthumS, durch den Gedanken: der Anblick, der dir hier entgegentritt, hat in seiner Totalität und Specialität die Gestalt und Form seines sactischen Daseins, wie sie der göttliche Gesetzgeber bestimmt hat. Nachdem wir uns auf diese Weise einen Weg gebahnt haben zwischen der zu rationell klingenden Ansicht Maimonides' (Moreh k. 3. c. 32) und der zu mystisch aussehendeu Auffassung des R. Jehuda halevi (Cusari 1. 1.) über Tempel und Opfer-Cultus, wollen wir noch einmal die von uns aufgestellte Idee über das gesammte Heiligthum in's Auge fassen und davon verschiedene Anwendungen machen.