Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Über den Opfercultus nach biblisch-talmudischer Auffassung
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 170 (sequence 4)
- Language
- German
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170 Wer de» OpserculluS, wollen wir uns demjenigen Punkte zuwenden,'wo wir das Opfer formell und ideell, in seiner vollendeten Ausbildung, auf dem Boden der Offenbarung ausgeprägt finden; wo wir es als integrirenden Th eil des biblischen Cultus, als wesentlichen, ja den Schluß bildenden Bestandtheil des Heiligthums (der Stiftshütte und des Tempels) antreffen. Ehe wir aber dahin kommen, scheint es nothweudtg, über den mosaischen Cultus überhaupt, oder — was dasselbe ist — über das Heiligthum, welches der Träger desselben war, zu sprechen. Der Mosaismus, dem es im Gegensatz zum Heidenthum darum zu thun ist, Licht und Tugend, Wahrheit und Nächstenliebe zum Gemeingute des Volkes zu machen, die Intelligenz als die feste Grundlage aller Sittlichkeit zu betrachten und die sittliche Höhe wiederum in eine lichtvolle Erkenntniß ausgipfeln zu lassen, der jeden Unterschied zwischen Priester- und Volksglauben, der jedes Mysterium, als Geheimgut einer auserwählten Kaste, von seinem Boden, ja von der gesummten Menschheit zu verbannen bemüht ist; dieser Mosaismus mußte in seinem Cultus, in seinem Heiligthume, wo der Mensch seine sittliche Heiligung erlangen sollte, wenn auch nur umrißlich, in klarer, deutlicher, anschaulicher Gestalt sein theologisches System darstellen, seine aus Grund der Offenbarung verkündete Lehre über Gott, sein Verhältniß zum Menschen und das Verhalten des Menschen zu ihm, um so den Boden zu schaffen, auf welchem das sittliche Leben in Recht und Tugend sicher entkeimen soll. Daß aber dieses die Bestimmung des Heiligthums und des Cultus überhaupt war, ist schon in den ersten Worten, welche die heilige Schrift über den Zweck desselben angibt, enthalten. ״Sie sollen mir ein Heiligthum machen, damit ich wohne in ihrer Mitte" (2. Mos 25, 8); damit sie durch Belehrung und Beherzigung zu einem klaren Bewußtsein über mich und ihre Bezüglichkeit zu mir gelangen und so gleichsam die,Gottheit in ihrem Herzen und ihrer Seele ,tragen sollen. Es lassen sich hierfür viele Stellen aus Bibel, Talmud und Midraschim anführen; wir beschränken uns auf Nachweisungen, die in der innern Beschaffenheit des Cultus oder , des Heiligthums begründet sind, um auf diesem Wege unserm Ziele, der Idee des mosaischen Opfercultus, in sichern Schritten immer näher zu rücken. Ziehen wir nun in das Innere des Heiligthums ein und betrachten die Haupttheile seines Inhalts, so treten uns entgegen 1) die heilige Lade (ארון) als Behältniß der Bundestaseln mit