Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Bunsen und die Mischnalehrer
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 166 (sequence 6)
- Language
- German
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166 * Dunsen und die Mschnalehrer. Weisung, ״diese Worte, die ich dir heute befehle, sollen in deinem Herzen sein", die Hindeutung zu finden, daß der ganze Abschnitt bis zum Schluffe von gleicher Wichtigkeit sei; denn die in den folgenden 3 Versen enthaltenen Vorschriften, ״die göttliche Lehre der Jugend einzuschärfen, zu allen Zeitabschnitten und in allen Lebensverhältniffen davon zu sprechen, sie durch äußere Zeichen zu veranschaulichen", sind die wirksamsten Mittel, das echte Gottesbewußtsein stets rege zu erhalten, daher auch diese Verse mit unabgewendeter Geistessammlung zu sprechen seien. Den Aussprüchen beider großen Lehrer lag demnach die tiefe Wahrheit zu Grunde, daß die Anerkennung Gottes als einziges höchstes Wesen, wenn auch mit aller Verstandesklarheit erfaßt, noch nicht genüge das Himmelreich in uns anszunehmen; daß vielmehr, um dieses vollständig zu erwirken, Gott in unserm Herzen thronen, die Ueberzeugung einer sittlichen Weltregiernng unser Gewissen erfüllen müsse, damit dieses uns anstachle in seinen Wegen stets zu wandeln! Erst später, nachdem der hadrianische Verfolgungskrieg die mit den Religionsübungen häufig verbundenen äußeren Gefahren vor Augen gestellt und die heiligste Ueberzeugung des Menschen nur noch im innersten Herzensschreine eine sichere Stätte gefunden hatte, erklärte Rabbi M ei r, daß die andachtvolle Recitirung des ersten Verses ״Höre Israel u. s. w." genüge, wenn man nur hierbei ganz in sich schaue, d. i. das Himmelreich im Herzen aufnehme!5) — Als ein Schüler des Rabbi Iehuda Ha-Nassi, genannt ״der Heilige", einst bemerkte, wie dieser trotzkörperlicher Leiden in seinem Lehramte unausgesetzt thätige fromme Mann blos jenen ersten Vers ohne die daraus folgenden Sätze recitirte, fiel es ihm aus; er äußerte, ״ich sehe ja nicht, wie unser Lehrer durch dieses Bekenntniß der Einheit Gottes auch das Himmelreich in sich aufnimmt, welches ja erst in den folgenden Versen ausgedrückt ist?-°) Män erwiederte ihm aber: ״Wahrlich, in der inbrnnstvollen Weise, wie unser großer Lehrer jenes Bekenntniß ablegt, die Hände über das Antlitz führt, um alle fremdartigen Gedanken fern zu halten und gleichsam die irdische Welt von sich 5) Vgl. R. Jona zu Alfast, Brachoth II. — הס3ת (Deut. 27, 9), worauf B- Mett seine Entscheidung stützte, ist im Sinne von ״Aufmerken, Schauen" genommen. K) B. Brachoth 13, 6. — Diese Auffassung der Worte Nab's dürfte hier entsprechend sein, obgleich nicht im Sinne Naschi's. —