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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1857-01-01 · Heft 5 · p. Seite 164

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
6 (1857)
Issue
Heft 5
Article
Bunsen und die Mischnalehrer
Date
1857-01-01
Page
Seite 164 (sequence 4)
Language
German
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164 Bunsen und die Mischnalehrer. Mischna, Brachöth IV, 4), das nur aus 5 kurzen Worteit beste-- hende Gebet Moses' (Num. 12,13) als Muster ausstellten (Brachoth 34 a), das längere Gebet der Hanna (1. Sam. 2, 1 — 10) hingegen einem Tadel unterworfen (Midrasch zu Sam. Abschn. 3, auch bei Jalkut ll, 78), so glaubten sie doch nicht dem Drange des Volkes, das in längeren gottesdienstlichen Uebungen Trost und Erhebung suchte und fand, hierin entgegentreten zu dürfen. Sie hielten sich auch nicht dazu berechtigt; der von Moses und den Propheten auf die Männer der großen Versammlung, Und von diesen aus die Synedrialhäupter und Volkslehrer üb ergegangene Berus und Austrag, die sorgfältige Ausübung des religiösen Gesetzes zu überwachen und zu leiten, ermächtigte sie nicht, das was innigreligiösen Bedürfnissen entsprungen im Gemüthe des Volkes fortlebte, wenn auch zuweilen nicht mit gehörigem Verständniß geübt, gänzlich loszulösen. Ihre Aufgabe mußte vielmehr blos dahin gerichtet sein, die Normen zu regeln und zu sixiren, damit Unsicherheit in der religiösen Praxis möglichst aushöre und, ohne gewaltsamen Eingriff in individuale Stimmungen, Werkheiligkeit sich vermindere und wahre Andacht befördert werde.— Die Mischnalehrer begnügten sich daher blos einen Minimalsatz sestzustellen, der unter den zu recitiren üblich gewordenen Schriftabschnitten und Benedictiouen jedenfalls und in allen Umständen mit voller Geistessammlung und der bewußten Absicht, das wichtigste religiöse Bekenntniß abzulegen s gesprochen werden müsse, wenn man seiner Pflicht genügen wolle (Mischna, Brachöth II, 1). — Wie weit sollte sich aber ein solcher Minimalsatz erstrecken, zu dessen Recitirung unablässige Geistesrichtung auf den Gegenstand zu erheischen sei, während man bei anderen vielleicht eben so gewichtigen Abschnitten davon absehen könnte? Eine derartige Feststellüng war nicht ohne Schwierigkeiten;/ sie involvirte zugleich eine Abzweigung des Nichtfundainentalen von dein Fundamentalen und konnte also zur Principiensrage werden. Galten zwar die Worte Deuü 6, 4: ״Höre Israel, der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist einzig" als- Bekenntniß' der Grundlehre des Mosaismus, so sollte doch ein solches Bekenntniß mit Recitirung dieses Verses nicht abgeschlossen werden. Es war darum zu thun, das Gottesbewußtsein nicht blos durch äußeres Hinstellen der Gottheit als einziges ewiges Wesen auszudrücken. Gottes Verbindung mit der Welt, wie wir durch unsere Gesinnungen und Handlungen, durch unsere bethätigende Liebe zu Gott uns selbst seinem himmlischen

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