Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Bunsen und die Mischnalehrer
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 162 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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162 Bimsen und die Mischnalehrer. So weit wird der gottesfürchtige und denkende Israelit den Ausführungen des edlen und überzeugungsfesten Verfassers mit Liebe und Anerkennung folgen: allein Letzterer betrachtet jene jüdische und echtfittliche Anschauung als mit dem Schluffe des alttestamentlichen Kanons und der Auszeichnung noch mancher aus alexandrinischem Boden erwachsener Apokryphen geschlossen! Wie der Kern jenes reinen Gottesbewußtseins sich dann im Judenthume fort erhielt, bas ist ihni fremd geblieben. — Sollte es sich da nicht der Mühe lohnen, auf die unverkennbaren Spuren hinzuweisen, welche jene tiefe Einschau in das Wesen Gottes und seines Verhältnisses zur Welt auch in der Folgezeit zurückließ? Mit Selbstbewußtscin mögen wir behaupten: wir sind nicht geringer als unsere Vorfahren! Die Grundidee der reinen Gottes- Verehrung und sittlichen Weltanschauung, ein Erbtheil der hebräischeu Altvordern, blieb auch ihren Epigonen ungetrübt. Was durch äußere Einflüsse im Laufe der Weltbegebenheiten etwa ׳sich ansetzte, ist qls fremdartiges oder vorübergehendes Element leicht herauszufinden und ließ den alten ehrwürdigen Stamm unversehrt. * Umfassendere Darstellung der Modalität, wie biblische Religionsbegriffe und Lehrsätze. im nachbiblischen Judenthume sich fortentwickelten und zum Ausdruck gelangten, uns vorbehaltend, beschränken wir uns heute auf den einen von Bunsen hingestellten Kernpunkt des Gottesbewußtfeius; dies ist ״Gott nicht blos beistisch.als ein außer der Welt befindliches höchstes Wesen anznerkennen, sondern ihn zugleich in uns aufzunehmen und durch bethätigende Liebe ihm uns zu.nähern." Bringen wir aus dem reichverschlungeneu Gewinde mischnisch-talmudischer Discusfion hier nur eine.Blume zur Anschauung,.um zu zeigen, wie alle.Lehrer des Judenthums im 1. und 2. christlichen Jahrhundert von diesem hohen Gpttesbewußtsein erfüllt und durchdrungen waren. Das. Grundwort per mosaischem Gotteslehre, die Einheit Gottes, ,hatte.sich, im israelitischen Volkshewußtsein, sobald dieses nur nicht durch innere Verführer und äußere Berührungen getrübt ward, längst zur lebendigsten Vergegenwärtigung erhoben,und wie Alles, was im innersten Nerve des Volkes lebt, in kurzen, gleichsam allseitig improvistrten Mrnworten Musd.ruck verschafft. .So bekundete das unter Ahab irregeleitete Volk seine überzeugungsvolle Rückkehr zur Verehrung des wahren Gottes , blos׳ durch den