Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Bunsen und die Mischnalehrer
- Date
- 1857-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829206-2829212-2855071--03536-2855097- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Bunfen und die Mischnalehrer. (Zur Auffassung des Gottesbewußtseins im Judenthume.) Der gefeierte Bünsen hat es sich in dem kürzlich erschienenen ersten Theile seines inhaltreichen Werkes ״Gott in der Geschichte". oder ״der Fortschritt des Glaubens an eine sittliche Weltordnung" zur Ausgabe gemacht, darzustellen, wie die. allgemeinen Wahrheiten der Religion ״Gott, sittliche Weltordnung und deren Auffassung von Seiten der Menschen" im Laufe der Weltgeschichte sich entwickelt und im Christenthuine und dessen Urkunden sich gestaltet haben. Mit redlicher Unbefangenheit stellt der hochbegabte Verfasser das hebräische Gottesbewußtsein an die Spitze seiner lebenswarmen Schilderung des höchsten geistigen Seins der Völker hin. Abraham, Moses, die Propheten und Psalmendichter des alten Bundes sind ihm die wahren, echten Träger und Verkünder des reinsten Gottesbewußtseins und der edelsten Menschlichkeit, wie sie kein anderes Volk und keine andere Zeit auszuweifen haben. Alle die Schmähungen und Herabsetzungen/ womit hier einseitige Zeloten und dort flache Rationalisten den alttestamentlichen Letztbegriff über Gott, ewige Liebe und Humanität überhäuftenweift er glänzend zurück und zeigt in beigebrachten sprechenden Beispielen, sowie in geistreichen Auslegungen die Unzulässigkeit derartiger Vorwürfe und Verkleinerungen. Den Gegensatz zwischen dem hellenischen Gottesbewnßtsein, selbst in der höchsten Phase philosophischer Ausbildung des Griechenthums, und der hebräischen Gottesanschauung setzt Bunsen darein, daß, während die Hellenen Gott als den denkenden Geist auffaffen, die Hebräer damit sich nicht begNügen, sondern Gott nicht blos im Verständesondern zugleich im Gewissen, ini sittlichen Bewußtsein und Leben festhalten. (Vgl. u. A. S. 2M u. 318 des ged. Werkesh Trankrl, Monatsschrift. VI. S. 13