Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1857-01-01 · Heft 4 · p. Seite 140

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
6 (1857)
Issue
Heft 4
Article
Über den Geist der Übersetzung des Jonathan ben Usiel zum Pentateuch und die Abfassung des in den Editionen dieser Übersetzung beigedruckten Targum jeruschalmi
Date
1857-01-01
Page
Seite 140 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2829132-2829206-2829211-2855019--03508-2855046
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

140 Wissenschaftliche Aufsätze. sind beim Tode Mosis zugegen. Auch die Lüstern Vorstellungen von einem satanischen Wesen sind Jonathan allein eigen (vergl. Exod. 32, 1. 19. 24; Nun». 29, 1). Jerusch almi's ganze Angelologie beschränkt sich aus wenige altüberlieferte Meinungen von den Eigenschaften und Functionen der Engel: Gen. 18, 1 daß ein Engel nicht zu mehreren Geschäften berufen sein kann; 32, 27 daß die Engel ihr Morgengebet verrichten; Deuteron. 32,3 daß sie den Namen nicht eher ausfprechen dürfen, bis sie das Dreimal Heilig gesprochen. Auch dürste die hagad. Ansicht wahrzunehmen sein, daß den Engeln die aram. Sprache nicht angenehm fei5). Von Engelnamen kennt er nur den biblischen Namen מיכאל (Gen. 38, 25). Wir wenden uns nach diesen negativen Wahrnehmungen zu innern Argumenten. Daß beide Targumim nicht denselben Verfasser haben, geht zum Theil aus ihrem Dialekte hervor, der, wenn auch nicht überall durchgreifende Verschiedenheiten, doch immer bemerkenswerthe Abweichungen bietet. Für die Annahme aber, daß Jeruschalmi älter sei, spricht hier die Wahrnehmung, daß feine Sprache mehr an die Mifchna erinnert, Jonathan sich dagegen mehr in der Ausdrucksweise des Talmuds bewegt. In diese Kategorie gehören die in der Mischna häufigen Wörter לקט unb פרט, die Jeruschalmi unübersctzt läßt, Jonathan aber gleich Onkelos לקטא (armuaifttt) utib נתרא übersetzt (Levit. 19,9.10). Jer. hat die ältere Schlußsorm על אחת כמה 1כמה, Jon. das talmudische PN כל (Num. 22, 30; Deut. 31, 27); שחר gibt Jerusch, mit עמור שחרא, Jon. mit עמוד קריצחא ■•ober קריצתא. Das Mischnawerk ist ein bleibendes Document dafür, daß in Palästina der Verschwelzüngsproceß des Hebräischen ünd Aramäischen nicht so rasch vor sich gegangen, und daß hier vorzüglich die Muttersprache noch lange Zeit hindurch aus ihrem eigenen Stamme sich in neuen Bildungen und Formen verjüngte; dieselbe Erscheinung zeigt sich in frappanter Weise in den vielen rein hebräischen Ausdrücken, die Jeruschalmi gebraucht und die oster/ sogar verschieden von Onkelos, an die biblische Sprechweise selbst anstreifen. Ion. hat dafür meist aramäische Wörter, selbst da, wo er sich nicht Onkelos anschließt. Wir führen einige Beispiele an. Gen. 33, 4 ויחבקהו Jer. וחבק, Jon. וגפיף (wie Onkel.); Exod. 34, 8 ויקד Set וגחן.»30 ,(״ואקד; das. 2, 12 ויטמנהו Jerusch. וטמן, - 5) Dieses scheint sich zu ergeben aus Genes. .22, 11: עני אברהם בלשן בית קודשא ואמר הנני; ferner das. 31, 11. Das häufige בלשן בית קוושא vgl. 22, 11• 33. 31, 11 N. s. w. 6)'Darnach wäre auch das Exod. 4, 31 im Jer. stehende ועקרו in ואקח NMjuändern.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.