Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Über den Geist der Übersetzung des Jonathan ben Usiel zum Pentateuch und die Abfassung des in den Editionen dieser Übersetzung beigedruckten Targum jeruschalmi
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 139 (sequence 2)
- Language
- German
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Wissenschaftliche Aufsatze. 139 nun gerade von jenen poetischen Stellen der Schrift ans dem vollständigen Jeruschalmi Nichts verloren gegangen und von den minder gewichtigen sich gar Nichts erhalten — das könnte man in der That nur durch ein merkwürdiges Spiel, durch eine seltsame Laune des Zufalls erklären. Vielmehr ist hierin eine bewußte Absichtlichkeit nicht zu verkennen, und es geht daraus mit Gewißheit hervor, daß Jeruschalmi nicht im Laufe der zeit zum Fragmente geworden, sondern , schon in der ursprünglichen Anordnung den fragmentarischen Charakter hatte. Jerusch, besteht aber außer den größeren hagad. Digressioncn noch aus einer Menge bruchstückartiger Uebersetzungen, die man bisher als Varianten zu Jon. betrachtet hat. Daß aber diese Auffassung nicht richtig sei, ergibt sich daraus, daß diese sogenannten Varianten an unzähligen Stellen mit Jonath. übereinstimmen. Diese kleineren Uebersetzungen haben übrigens in Dialekt und in Auffaffungsweise der Schrift denselben Charakter, wie die größeren Partieen, gehören deshalb ein und demselben Versaffer an. Welches Princip befolgte nun der Verfaffer des aus so verschiedenartigen Bestandtheilen zusammengesetzten T. Jeruschalmi? Um diese Frage zu erledigen, muß die Beziehung des Jonathan zum Jeruschalmi in's eigentliche Licht gesetzt werden, um hierdurch zugleich die Autorschaft und das gegenseitige Zeitverhältniß beider Targumim zu bestimmen. — Beim Gcgcneinanderhalten derselben stellen sich mehrere charakteristische Unterscheidungspunktc heraus. Als negatives Moment ist zuerst geltend zu machen, daß Jcruschalmi keines von den früher erwähnten geschichtlichen Daten hat, die für das spate Alter des Jonathan zeugen. Es liegen überhaupt im Jeruschalmi-keine directen historischen Andeutungen vor. Selbst. vom byzantinischen gleiche geschieht nirgends Erwähnung ^). Von größerem Gewichte ist die Verschiedenheit beider Targumim in ihrer Angelologie^). Jonathan tragt ganz das mystische Element einer späteren Anschauung zur Schau; Jeruschalmi ist davon frei. Wir hatten schon früher (S. 106) Gelegenheit, mehrere Beispiele anzusühren, und heben besonders hervor: Gen. 5,24 hat Jer. ארום איתעיר במימר מן קדם ה׳ , Jonath. אדום איתנגיד וסליק לרקיעא במימר קדם ה׳ וקרא שמיה מיטטרון ספרא רבא. Jonathan hat Engelnamen, die erst einer späteren kabbalistischen Zeit angehören (und in den übertriebensten Zahlen). Nicht nur die bekannteren (biblischen) Engel מיכאל und גבריאל, sondern auch die seltneren מיטטרון ויופיאל ואוריאל ויפיפיה רבני הכמהא 3) Ob Num. 24,19 נדכא תייבא auf Rom oder auf Constantinopel zu beziehen sei, ist nicht ersichtlich. Jonathan bezieht es auf beide Städte. 4) Vgl. Frankel l. l. S. 113.