Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die hervorragendsten Vertreter der Akiba'schen Schule
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 132 (sequence 8)
- Language
- German
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132 Die hervorragendsten Vertreter erscheint er bei dieser Gelegenheit wie ein hoher Berg, den Frevlern hingegen wie ein Härchen so unbedeutend. Die Einen weinen und die Andern weinen. Die Frommen weinen, weil sie sich vorwundert fragen: Wie haben wir diesen Berg überwinden können? und die Frevler weinen, weil sie sich vorwerfen, daß ihnen nicht einmal dieses Härchen überwindbar gewesen sei." Der Sinn dieser Allegorie dürste etwa folgender sein: Die Genüsse, zu deren Erstrebung der böse Trieb uns reizt, haben keinen absolut scststehenden Werth. Vielmehr erscheinen uns selbst die verlockendsten Genüsse, wenn wir sie durchgekvstet haben, ickmal und keiner Anstreugnng werth. In jenem Leben erstirbt die Lust zum Bösen (Gott schlachtet den bösen Trieb), aber die Erinnerung an und die Einsicht in den Zustand hienieden bleibt. Die Gerechten, die von unerlaubten Genüssen sich-stets so fern gehalten, daß sie auch ihre Phantasie damit nicht befleckt haben, erschrecken, wenn sie dort, wo der Geist Heller ist, die ganze Größe der Gefahr, die ihnen drohte, gewahren und weinen vor Rührung, daß ihnen die Ueberwindung eines solchen Berges unter Gottes Beistände möglich geworden. Die Frevler wiederum sehen entnüchtett in den von ihnen gekosteten Genüssen nichts Erstrebenswerthes und weinen, weil sie um so nichtsnutziger Dinge willen ihre Seligkeit eingesetzt haben. R. Jehuda verdient aber nicht blos darum unsere Bewunderung, weil er einer der fruchtbarsten Halachisten war und auch in der Hagada nicht zurückstand, sondern namentlich/weil die wenigen Blicke, die uns in sein Privatleben vergönnt sind, uns ein edles Bild einer in sich fertigen , von Ereignissen wie Rücksichten unanfechtbaren Persönlichkeit bieten. So unterbricht er seine Vorlesungen selbst an einem Tage nicht, wo ihm ein theurer Sohn gestorben war (Moed katvn 21a). So trägt er, obgleich bereits ein gefeierter Lehrer, seinen Stuhl eigenhändig in's Lehr- Haus mit den Worten: ״Jede Arbeit ehrt den, der sie verrichtet" (Nedarim 49 b). Das Obergewand, das er trägt, ist von seiner eigenen Frau gefertigt, und da er nur im Besitze eines einzigen ist, so sieht er sich einmal genöthigt, eine vom Nasi (N. Simon ben Gamaliel) anberauiNte Fastenversammlung nicht zu besuchen. Der Nasi, dem die Abwesenheit R. Jehuda's anffällt und zufällig die Ursache davon bekannt wird, schickt ihm ein Obergewand, das R. Jehuda aber «usschlägt, indem er dem Boten sagt, daß es ihm an Mitteln zur Beschaffung eines solchen nicht fehle, daß er