Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die hervorragendsten Vertreter der Akiba'schen Schule
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 131 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829206-2829211-2855017--03496-2855037- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
der Akiba'schen Schule. 131 Vielmehr ist es überraschend, wie das ganze Wesen 9t Jehuda'S zn dieser weniger freien, aber desto sicherem Methode zusammrnstimmt. Er war nämlich, obwohl mit Fähigkeiten dazu ausgestattet, dennoch ein abgesagter Gegner der den Geist oft auf Kosten der Wahrheit befriedigenden Kühnheit in der dialektischen Methode, so daß uns als sein Wahlspruch das charakteristische Wort angeführt wird: ״Sei vorsichtig im Lehren, denn ein Irrthum im Lehren gilt einer vorsätzlichen Irrlehre gleich" (Abot 4, 6). Damit stellt denn auch der Talmud selbst (Baba Mezia 33b) eine hagadische Bemerkung R. Jehnda's zu dem Jesaianischeu Verse (58,1) zusammen, die den Gedanken enthält, daß der Herr den Forschern des Gesetzes ihre Jrrthümer als Vergehen, den Unkundigen dagegen ihre Vergehen als Jrrthümer anrechnet. — So lange nun sein College R. Meir lebte, tolerirte er aus Hochachtung für diesen die in dessen Schule heimisch gewordene Kunst, durch scharfsinnigen Disput für und wider eine Sache zn reden (Erubin 13 b), und begnügte sich, so oft sich dieser von der hergebrachten Weise der Auslegung seiner Ansicht nach zu weit entfernte, ihm ein Halt zuzurufen. So sagt er ihm öfters bei der Auslegung des Hohen Liedes: ״Halt ein, Meir, es ist nicht gestattet, das Hohe Lied so auszulegen, daß ein Tadel Israels darin liege" (Midrasch Schir Haschirim zu 1, 12 und zu 2, 4). Nach denn Tode desselben jedoch wird er nur durch R. Jose davon abgebracht, den Schülern Meir's, deren Disputirsucht ihm zuwider ist, den Eintritt in's Lehrhaus zu versagen. Wie R- Meir derjenige ist, mit dem er in der Halacha am häufigsten controvefsirt, so ist sein Zeitgenosse und College R. Nehemias, ein Mann, der ebenfalls ein Jünger Akiba's in der Halacha weniger hervortritt, obwohl ihm die Anordnung der Tosefta zugeschriebeu wird (Synhedrin I. 1.), derjenige, der ihm in der Hagada am häufigsten gegenübersteht; und auch gegen ihn macht er an vielen Stellen die wörtliche Auffassung geltend (Baba batra 121b, jer. Nedarim S. 41b). Doch verhindert ihn dies keinesweges, ln seinen Vorträgen mit leichter Anknüpfung an den Bibelvers ethische Wahrheiten in tiefsinniger Allegorie auszuprägen. Wir lassen, um auch davon eine Vorstellung zu geben, hier eine Probe folgen. ״Im zukünftigen Leben, wird (Succa 52s) in seinem Namen berichtet, bringt Gott den bösen Trieb (der böse Trieb י51ר הרע tritt in der Regel personificirt ans) und schlachtet ihn vor den Augen der Frommen wie der Frevler. Den Frommen