Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Über den Geist der Übersetzung des Jonathan ben Usiel zum Pentateuch und die Abfassung des in den Editionen dieser Übersetzung beigedruckten Targum jeruschalmi
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 106 (sequence 11)
- Language
- German
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106 Wissenschaftliche Aufsätze. den, so sind sie dock) von den ausgeprägten Lehren der Gnosis und mystischer Schwärmerei entfernt. Zwar finden sich manche derartige Anklänge; so Genesis 2> 7 die Schöpfung des Menschen; 4, 18 das Kainszeichen; ■31, 19 Rahel's Verfahren mit Laban's Götzen; Exod. 2, 21 und 1.4, 21 der Mosesstab. Und vollends seine Angelologie! Der Todesengel Samael erschreckt Eva; der Engel Sagnngoel erscheint Moses im Dornbusch; ein Engel Hilst Jakob aus der Verlegenheit, da er keinen Wein für das Mahl seines Vaters hat; Engel gehen, um die Geheimnisse Gottes zu enthüllen (Gen. 28, 12); siebenzig Engel steigen mit Gott zur Besichtigung des Thurmbaues zu Babel, und nicht weniger als 900 Millionen verderbenbringende Engel ziehen mit Gott zur Unglücksnacht nach Egypten. Chanoch wird als Mctatron in den Himmel versetzt. Auch von Giganten, die vom Himniel gestürzt, weiß er uns. zu erzählen, und nennt sie namentlich (Gen. 6, 4 nach Joma 67b). Gleichwohl weiß er von den Engeln und dem göttlichen Throne nicht viel mehr zu berichten, als in der talmndischen Hagada enthalten ist. Die Thora ist vor dem Weltanfange geschaffen, und mit ihr das Eden zur Belohnung der Frommen, das Gehinnom für die Sünder. Die Qualen her Hölle sind mit wahrhaft glühender Phantasie geschildort. Das Jenseits selbst berührt er nur im Allgemeinen; hat ja den Patriarchen Jakob, als er das Geheimniß von den letzten Dingen enthüllen wollte, der prophetische Geist verlassen (Gen, 49, 1). Lebendig wie sein Glaube an die glückliche Zukunft seines Volkes sind des Paraphrasten messianische Hoffnungen. An jenem großen Tage des Ge- Achtes wird sich das göttliche Geheimniß offenbaren (Deuter. 32, 39), und Vergeltung geübt werden an Israels Drängern. , Erst nach großen Kämpfen, bei denen Gog eine Hauptrolle spielt, wird jener heißerschnte Messiastag anbrechen. Obwohl der Midrasch des Jonathan keinen freien Spielraum hat, da ihm durch den Text, welchen er nicht nur.paraphrastisch auffassen, sondern auch vertiren will, hemmende Schranken gesetzt sind: so sucht er doch, wenn es angeht, ein einheitliches Ganze aus einzelnen Daten zu gestalten; und interessant ist die Bemerkung, wie er dann in der That ohne innere Beziehung zu einander stehende Schriftversc durch ein hagadisches Band logisch zu verknüpfen sucht. . So Gm. 18, 26—32, die Fürbitte für Sodom und Amorah; daselbst 40, 23 vgl. mit 41, 1 u. 10: Joseph's Vergehen und Erlösung. — Me schönsten hagabischen Particen sind die als rhetorische oder poetische Digressioncu dem Texte lose angefügten lyrischen Hymnen und Parabeln; wir heben