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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1857-01-01 · Heft 3 · p. Seite 105

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
6 (1857)
Issue
Heft 3
Article
Über den Geist der Übersetzung des Jonathan ben Usiel zum Pentateuch und die Abfassung des in den Editionen dieser Übersetzung beigedruckten Targum jeruschalmi
Date
1857-01-01
Page
Seite 105 (sequence 10)
Language
German
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Wissenschaftliche Aufsätze. 105 ist erfüllt von dem hohen Bewußtsein der weltgeschichtlichen Mission Israels. Von der nachexilischen Geschichte sind die Trauer über die Zerstörung des Tempels, die öftere Erwähnung der vier Reiche'/ die Israel bedrückten (Genes. 15, 12; Levit. 26, 44; Deuteron. 32, 24; s. auch Megilla 11a), der Wunsch des Unterganges der 12 Mächtigen Jsmaels und Persiens (Num. 7, 87)"'und״die vielfach besprochene Stelle Num. 24, 24 (worüber weiter), die am deutlichsten ausgesprochenen geschichtlichen Andeutungen, die aber noch zu keinem sichern Resultate geführt haben. — Die,ethische Hagada zieht nicht nur das allgemeine sittlich-religiöse Verhältniß des Menschen, 'die sittliche WlNMUMktzNkk'Men'KreT sondern erstreckt sich auch auf besondere Moralledrezft.Mränläffüng züiu Brudermord gibt der Streit über die Thcodicec (Genes. 4). Auch hicnieden findet Vergeltung statt. Darum ist bei dem zweiten Theil des Dekalog und andern Geboten für das sociale Leben eine spccielle Strafandrohung für die Uebertretung beigefügt. — Häufiger tritt die ethisch-didaktische Tendenz in den Vordergrund. Die HaMünMHwmmen"MMre>-- als nachahmenswerth, die Strafe eines jeden Vergehens als warnendes Beispiel ausgestellt. Gen. 21 Ans.: ״Gott that dem Abraham, wie er für Abimelech gebetet".—Das.40:״JosephbüßtzweiJahrelängerimGefängniß, weil er nicht auf Gott, sondern auf Menschenhülfe gebaut", und Aehnliches häufig. Dergleichen ethische Regeln abstrahirt er nicht blos aus dem legendenartigen Midrasch: der Zweck des Paraphrasten ist Beleb-. rung, und er gibt diese Belehrung, wo und wie sich.ihm Gelegenheit dazu bietet^ Wir haben schon bei Geboten des Dekalogs darauf hingewiesen; aber auch bei andern Gesetzen geschieht es häufig. Vorzüglich verdient Levit. 22, 28 erwähnt zu werden, wo er das Gebot אוזו ואת_בנו mit den schönen Worten einleitet: ״Mein Volk Israel! wie barmherzig ist unser Vater im Himmel, so seid auch ihr barmherzig auf Erden"-). Das zwanglose Verhältniß der Hagada zum Schristtext gestattete auch die freiere Auffassung desselben nach den religiösen und metaphysischen Begriffen der Gegenwart. In dieser Art der Schristauslegung tritt das Bewußtsein der Zeit noch stäxker hervor, als in der historisch-erzählenden und ethisch-didaktischen Hagada. Auch Jonathan ergeht sich gern, in Schilderungen übernatürlicher Dinge; und wenn diese wie bei ih>^ gewöhnlich auch an hyperbolischer Uebertreibung lei- S) Diese Auffassungswelse scheint alt und wird, wie bekannt, jer. Megilla 4, 9 aus daselbst angegebenen Gründen gemißbilligt.

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