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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1857-01-01 · Heft 3 · p. Seite 104

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
6 (1857)
Issue
Heft 3
Article
Über den Geist der Übersetzung des Jonathan ben Usiel zum Pentateuch und die Abfassung des in den Editionen dieser Übersetzung beigedruckten Targum jeruschalmi
Date
1857-01-01
Page
Seite 104 (sequence 9)
Language
German
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104 Wissenschaftliche Aufsätze. raturwerke ein primäres Eigenthumsrecht könnten geltend machen. Die wenigen Jonathan eigenthümlichcn Hagada's, die sich in keinem Werke des Midrasch wiedcrfinden> sind sicherlich auch nicht seine Erfindung, sondern dem Volksglauben seiner Zeit entstammt. So Deuter. 21, 8 die Sage, daß aus dem bei Auffindung eines Erschlagenen zur Entsühnung geschlachteten Kalbe '(ע(^ת ער;8ת) Würmer hcrvorkricchen, die sich zu dem Mörder hinbewegen, und ihn so dem Gerichte verrathen^): Levit. 14, 53 wenn die Lustration beim צרעת מנית nicht wirksam, so kehrt der vom Priester losgelassene Vogel au demselben Tage zurück. Daß Jonathan von jüngeren midraschischen Werken häufig benutzt wurde, beweist überdies, daß er nichts dem jüdischen Sagenkreise Fremdartiges gegeben hat^). Jonathän's Paraphrase umfaßt das ganze Gebiet der Hagada; all« Theile derselben hat er mit in die Uebersetzung ausgenommen, und in oft nur., .loser, Anlehnung an das Schristwort oder.dem -biblischen Inhalt angeknüpft, immer an passender Stelle "und in einem dem Tone der Uebersetzung gerechten Zuschnitt. Wir treffen bei ihm Legenden, national-historische׳ Sagen, ethische Lehren und metaphysische Ideen, wie sie das ganze Glauben und Denken des damaligen jüdischen Geistes ausmachten. Den Grundton seiner meisten Midraschimbildet die legendenartige Erzählung mit.hyperbolischer Ausschmückung der Ereignisse und ssiharakterc, und dieses nicht nur für di« bibl. Heroen, sondern auch für die in der Schrift als Feinde Israels erwähnten Personen. So tritt (nach midraschischen Quellen) Bileam schon als Laban feindlich gegen Israel aus; Og, der schon zur Zeit der Noachitischen Flut eine Rolle spielt, trägt aus seinem Haupte ein Felsstück herbei, um unter dessen Last das ganze israel. Lager zu begraben u. s.. w. Speciell historische Hagada findet sich bei Jonathan verhältnißmäßig wenig, "Mss'mcht msso'Mstimmten Andeutungen,׳ daß daraus mit Sicherheit auf die Abfassungszeit seiner Paraphrase geschlossen werden könnte. 'Vorliegend.istMer die Beziehung zur NatioMtzeschichte,. wie auch das Nationalgefühl des Paraphrasten in aller Scharfe ausgeprägt ist. Er 3) Vergl. Frankel, Zur Geschichte der Religionsgespräche., Monatsschrift 4. Jahrg. S- 454. 4) S- Zunz 1. 1. S- 72 Anmerk. b. Als Quellen nennen wir hier nur von Midraschim: Rabbot, Tanchuma, Jalkut, s׳wn,׳n2n; sehr häufig, besonders an Stellen mit kabbalistischer Färbung: Pirke de R. Eliescr (siehe Zunz 2. 275). Solche Stellen find auch sehr oft vom Jalkut Rubeni ausgezogen und vom Sohar und Rekanate benutzt.

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