Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Über den Geist der Übersetzung des Jonathan ben Usiel zum Pentateuch und die Abfassung des in den Editionen dieser Übersetzung beigedruckten Targum jeruschalmi
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 103 (sequence 8)
- Language
- German
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Wissenschaftliche Aufsätze. 103 Gen. 46, 27: Die Rechtfertigung der Zahl 70 bei Aufzahlung der Familicnglieder Jakobs; Exod. 12, 41: Erklärung der 400 Jahre, welche die Bibel für den Aufenthalt der Israeliten in Egypten angibt. Solche Darstellung bildet den Kern der Jonathan'schen Paraphrase, well Jonathan in der Regel, wo er nicht weitläufige hagadische Digresfionen macht, in dieser Weife übersetzt. In der ganzen Arbeit sind Version und.Paraphrase innig mit einander verwebt. Eine, selbstständigere Stellung in der Paraphrase nimmt die Hagada ein, insofern sie nicht zur syntaktischen Satzverbindung in die Uebersetzung eingeflochten ist, sondern als freie Zuthat zu dieser den biblischen Text selbst nur als Unterlage zu ihrem eigenthümlichen Aufbau gebraucht. Die Hagada macht den poetischen Ideengehalt des jüdischen Alterthums aus.. In ihren Bereich fällt alle freiere Gcdankenbewegung: des jüdischen Geistes, soweit sie nicht auf Erforschung des. Gesetzes gerichtet oder der Strenge der Halacha untergeordnet ist. So umfaßt die Hagada nicht blos eigentlich poetische Production, die feurigen Er-, griffe des religiös gestimmten Gcmüthes, die lebensvollen Gestalten der .Phantasie, sondern jedwede freiere Abstraction des biblischen Inhaltes,! die sich in bildlicher Darstellung gewissermaßen verkörpert hatte. Jo-! nathan hat ein Herbarium der duftreichen hagadischen Pflanzen angelegt.; er hat das Ungewöhnliche, wo er es gesunden, gesammelt und/ aufgespeichcrt: aber der frische Lebenshauch ist von seinen hagadischen Blumen geschwunden, ihre bunte Farbenpracht verblaßt. Einen Hauptbestandtheil der Jonathan'schen Hagada bilden die nicht immer geschmackvollen legendenartigen Erzählungen, die nur insofern für uns Interesse haben, als sie uns einen tiefen Blick in den Culturzustand der Zeit ihrer Entstehung werfen lassen. Diese Legenden haben meist nur da poetischen Werth, wo Jonathan die hagadischen Stoffe des Jeruschalmi ausgenommen oder bearbeitet hat. Zeigt auch, die ganze Oekbnomie der Paraphrase , daß der Verfasser nicht den alleinigen Zweck hatte, eine Hagada- oder Midraschimsammlung anzulegen, so entwickelt er doch , eine so reiche Menge der verschiedenartigsten Hagada's, daß man erstaunt,! wie er diese ungeheure Fülle des Materials verwenden konnte. Und! doch gibt Jonathan nicht die Erzeugnisse seiner eigenen Phantasie; er' ist vielmehr nur der Dolmetscher der seine Zeit beherrschenden Ideen; und Erzähler von altüberlieferten religiösen und nationalen Sagen. / Die Mischna, die Talmude und die andern exegetischen Werke, Mechilta, Sisra und Sifri sind Quellen"ssür ihn, und es dürste von seiner ganzen hagadischen Paraphrase wenig übrig bleiben, woraus nicht ältere Lite-