Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Über den Geist der Übersetzung des Jonathan ben Usiel zum Pentateuch und die Abfassung des in den Editionen dieser Übersetzung beigedruckten Targum jeruschalmi
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 101 (sequence 6)
- Language
- German
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Wissenschaftliche Anssätze. 101 bührende Berücksichtigung zu Theil werden ließ. Zonathan's ganze Arbeit ruht auf der Basis des Targum Onkelos. Bei einfacher Uebersetzung oder Erklärung folgt er nieist dessen Auffassung, und wo er abweicht ist zu erkennen, daß ihm die betreffende Stelle des Onkelos wohl bekannt war. Häufig citirt er Onkelos vollständig oder ändert dessen Ausdruck nur insoweit, als cs die dialektische Verschiedenheit erfordert. Wo Onkelos selbst zuweilen Gelegenheit zum Päraphrasiren nimmt, finden wir diese Paraphrase bei Jonathan amplificirt. Dasselbe Anschließen an Onkelos zeigt sich bei dessen halachischer und hagadischer Schristauslegung, so wie auch in der Vermeidung von. Anthropomorphieen und Anthropopathieen. Doch hatte sich Jonathan eine andere Aufgabe gestellt als Onkelos. Er wollte Hermeneutiker und Exeget zugleich sein. Seine Arbeit kann nicht eine Version genannt werden, da er weit über die einer solchen - gestattete Grenze hinausgeht, aber auch nicht durchweg ausschließliche: Paraphrase, und noch weniger (hagadischer) Commentar. Es ist dem" ParaphrasteN darum zu thun, mit der Uebersetzung zugleich -ein Com«f pendium aller an den biblischen Text sich anlehnenden Hagada und! prägnanten Halacha zu geben. Schon die älteste Exegese fand in dem Worte der Schrift mehr als den bloßen Wortsinn, und fixirte die Halacha aus derselben nach bestimmten Deutungsregeln. Die hagadische Auslegung hatte außer der einfachen Wort- und Sinneserklärung noch andere Richtungen, in denen sie das Bibelwort deutete: sie fand in einzelnen. Worten und Ausdrücken eine Hinweisung aus ein tiefer Sie־־( gendes, (sie machte die Schrift:zur Basis von ethischen Ansichten, bezog aus sie spätere historische Ereignisse mit aller Freiheit, welche dichterische Phantasie sich gestatten darf, und wie sie dem jedesmaligen Pathos der Zeit entsprachen; sie erblickte ferner in ihr das tief verschleierte Mysterium göttlicher Dinge, das sich nur den Eingeweihten offenbarte. Ihr erschien endlich die h. Schrift als Werk der Offenbarung im ätherreinen Lichte der Göttlichkeit, an die nicht der Maßstab menschlicher Begriffe und Vorstellungen gelegt werden dürfe, und die in der Bibel auftretenden Charaktere als physisch und geistig höher potenzirte Wesen, an denen keine menschliche Schwäche hasten durste.. Auf allen diesen Gebieten sehen, wir die Paraphrase. Zonathan's sich bewegen. Von der einfachen Erklärung nach dem Wortverständniß, dem Peschat, der jedoch in ihr ein secundäres Moment bildet, schreitet sie auf der Bahn des Derusch stufenweise aufwärts bis zur selbstständigen Einflechtung größerer Midraschim. יי Den Uebergang zur eigentlichen Paraphrase bilden die kleinen