Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Über den Geist der Übersetzung des Jonathan ben Usiel zum Pentateuch und die Abfassung des in den Editionen dieser Übersetzung beigedruckten Targum jeruschalmi
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 99 (sequence 4)
- Language
- German
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Wissenschaftliche Aufsätze. 99 Hagada sieht: so wird das Prophetentargum an vielen Stellen geradezu zur Paraphrase, obwohl ihr im Allgemeinen der Charakter einer geistvollen Version zu erkannt werden nmß.— Die Targumim der Hagiographeu gehören endlich nicht einer Zeit an. Einzelne Gruppen haben denselben Charakter in der Sprache und dem Geiste der Uebersetzung; am freiesten, und kaum noch Uebersetzung zu nennen, sind die Targumim von Esther und dem Hohenliede, in welchen der Te;t gleichsam nur als Folie für die reiche Fülle von historischen Daten, hagadischen Mythen und Allegorieen dient. Einen diesen Paraphrasen verwandten Charakter haben zwei westaramäische Targumim zum Pentateuch, von denen das eine vollständig^), das andere nur in Fragmenten vorhanden ist. Das vollständige Targum trägt in unfern Ausgaben den Namen der Version der Propheten: Targum Jonathan-ben-Usiel, das sragmenrarische hat die Aufschrift: Targum Jeruschalm'i. Beide Targumim sind in mehreren Editionen des Pentateuchs dem Onkelos beigedruckt, das jerusalemitische in manchen Ausgaben als Anhang zum Pentateuch, in änderen zu den betreffenden Stellen des Jonathan. Alter und Geschichte der beiden Targumim' wird später besprochen werden. — Der Dialekt dieser Targumim ist der hierosolymitanische oder judäisch - aramäische *], ähnlich dem des jerusalemischen Talmud, doch mit vielen ihnen allem zukommenden sprach- Lichen Eigenthümlichkeiten, und verschieden von dem Chaldäisch des Onkelos, welches der Sprache der biblisch-chaidäischen Schriften wenig nachsteht, und doch wieder vielfach diesem ähnlich. Ganze Stellen des Onkelos find von ihnen ausgenommen, und sie bilden so eine Zwittergattung des Ost- und Westaramäischen. Ihre Sprache nähert sich dem Syrischon, doch ist sie durch den Geist, welcher sie durchweht, weit von diesem verschieden. Der Geist des Syrischen ist ein christlicher; die Sprache der Paraphrasen von dem Geiste des jüdischen Glaubens und jüdischreligiöser Anschauungen durchdrungen. Anderseits macht sich hier das aram. Element geltend, das aber durch den bei unseren Paraphrasten stark hervortretenden Einfluß fremder Sprachen viel von der den aram. Dialekt charakterisirenden Rauheit und Härte abgestreist hat. Die syrischen Formen, milder als die chaldäischen, sind in ihnen vorherrschend, und diesen zunächst wirkte die griechische Sprache aus euphonische Bis- 6) S. Zunz I. 1. S. 64. - : - 9) Einige Verse fehlen in den Ausgaben: Gen. 5, 5—7. 10, 23. 18, 4. 20, 15 und an manchen anderen Stetten. 1) Vgl. Fürst, Lehrgebäude der aramäischen Idiome § 14 ff? 8*