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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1857-01-01 · Heft 3 · p. Seite 95

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
6 (1857)
Issue
Heft 3
Article
Briefe aus Süddeutschland
Date
1857-01-01
Page
Seite 95 (sequence 5)
Language
German
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Briese aus Süddeutschland. 1)5 Begriffe, ein ganz anderes Votum bei der Behörde abgab, so daß N. nach seinem besten Wissen und Gewissen ein dissentirendes Votum nach« träglich einzureichen sich moralisch verpflichtet sah. — Einen andern Fall, der durch das Verschulden eines Rabbiners ein rcstrictives Rescript Betreffs der Prüfung im Religionsunterricht zur Folge hatte, theilen wir unten mit. Was das cultuelle Leben unserer Glaubcnsbrüder in Hessen-Darm« stadt betrifft, so kann dasselbe mit wenigen Worten charakterisirt werden: in den Landgemeinden der stabilste Stillstand, in den Stadtgemeinden die möglichste Zerfahrenheit. — Auch hierin dürfte nicht bald in einem andern kleinen Staate eine solche Duntfleckigkeit anzutressen sein. In Mainz ist die Hauptsynagoge (die, gelegentlich bemerkt, die schönste in Hessen ist) mäßig refvrmirt, in welche Orgel und theilweise deutsche Gebete eingeführt sind, dahingegen die neuerbaute Synagoge der Altgläubigen alt; in Alz ei ist Orgel und reformirter Gottesdienst; der zweite Festtag abrogirt, der dreijährige Cyelus der Thoravorlesung u. s. w. eingeführt; in Worms birgt die altehrwürdige Synagoge beide Kinder der Alt- und der Neuzeit in sich, indem neben dem allsabbatlichen alten auch l^täglich in den Nachmittagsstunden deutscher Gottesdienst abgehalten wird. Letzterer ist stets, ersterer einmal monatlich mit Predigt verbunden, so daß der Prediger drei Mal im Monat zu predigen hat; in Gießen ist Orgel und zeitgemäß umgestalteter Gottesdienst; in Offenbach ist sogar ein Sonntagsgottesdienst für Lehrlinge von Handwerkern a la Wien; über Bingen schweigen die Götter und die gewünschten, aber nicht erhaltenen Berichte; und in Darmstadt ein Land- und Stadtrabbiner und doch nicht einmal Predigt. Diese Zerfahrenheit auf dem so kleinen Terrain muß tief, tief bedauert werden; wir haben hier freilich nicht שתי תורות, aber die ominöse Zahl von sieben mim, da hier zu Land jedes Rabbinat einen eigenen Cultns zu präsentiren hat. Es scheint, daß das frühere nz אהד בארץ antiquirt und hierfür ein Connex mit den allerdings antiquirten שבע אומות beliebt wird; vielleicht bringen wir es noch zu י .שבעיה אומות— Doch der ironische Anflug erlahmt vor dem schrecklichen Ernst der Wirklichkeit; wohin soll jene Zerrüttung und Zersplitterung führen? Denken wir uns einen Touristen, der einen Sabbat in Worms verlebt; am Vormittage hört er die Wellenschläge des Jordan, am Nachmittage das Rauschen des Rheines; er eilt nach Mainz, da vernimmt sein Ohr zu Schacharit die Weisen der spanischen Minstrels, die in Kcrobot, Ofan und Jozar niedergelegt sind, und zu Mussaf die Accorde der Orgel von echt deutschem Fabricate. Er eilt nach

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