Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die hervorragendsten Vertreter der Akiba'schen Schule
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 87 (sequence 7)
- Language
- German
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der Akiba'schen Schule. 87 Wesenheit ihres trefflichen Mitbürgers empfinden. Eine Reihe zweckmäßiger Einrichtungen, die uns an mehreren Stellen mitgetheilt werden (jerus. Berachot 6,1, b. Synhedrin 193) und zum Theil die Ordnung bei religiösen Gebräuchen, zum Theil die Wahrung der Sittlichkeit zum Ziele hatten, bezeichnte sein dortiges Wirken. Außerdem lockte der Ruf seiner Gelehrsamkeit eine große Zahl von Schülern herbei, so daß der biblische Satz: ״Du sollst der Gerechtigkeit mit Eifer nachgehen", hagadisch dahin gedeutet werden konnte: ״Du sollst R. Jose nach Sepphoris folgen" (Synhedrin 32k). Dabei hatte er das seltene Glück, unter seinen eifrigsten Jüngern seine fünf Söhne zu zählen, von denen er, wie wir aus ihrer Bedeutung in der folgenden Generation sehen könneu, mit gerechtem Vaterstolze sagen durste: ״Fünf Cedern habe ich gepflanzt in Israel" (Sabbat 118k). Ueberhaupt scheint sein Familienleben ein sehr glückliches gewesen zu sein, wie seine Aeußernng beweist, daß er seine Frau stets sein Haus genannt habe (Gittin 523). Nicht uninteressant, weil den Geist jener Zeiten charakteriflrend, dürste hier die Zwischenbemerkung sein, daß R. Jose trotz seines der Lehre gewidmeten Lebens seinen Unter- Halt einem weltlichen Geschäfte verdankte. Er war nämlich nach der Angabe' seines Sohnes (Schabbat 49 k) ein Lederarbeiter und Schwierigkeiten gemacht hat, da, wie er einwendet, N. Jose doch aus Sepphoris gewesen sei. Der Seder Hadorot glaubt diese Schwierigkeit noch dadurch zu erhöhen, daß er anführt, N. Jose ׳habe ja nach Kleinasien und nicht nach Sepphoris fliehen müssen. .Dieses Bedenken scheint ihm so erheblich, daß er statt יגלה לצפורי sogar מצפורי lesen will. Die Sache ist aber überaus einfach. Daß die vorgeschlagene Aenderung falsch ist, geht daraus hervor, daß wenige Seiten, nachdem die im Text erwähnte Begebenheit erzählt ist, es ausdrücklich heißt.כשהלך ר׳ יופי לצפורי (Sabbat 38a), ferner daraus, daß er nach Moöd Katon 25 wirklich in Sepphoris verstorben ist. Die Schwierigkeit entsprang aus einer Confundirung zweier im Talmud selbst sehr wohl auseinander gehaltenen,Thatsachen. In der Hadrianischen Zeit hatten die Schüler Akiba's und unter ihnen N. Jose, weil sie ein nach den tyrannischen Edicten Hadrian's todeswürdiges Vergehen, nämlich die Lehrerweihe zu empfangen (כל הנסמך יהרג Synhedrin 14a), begangen hatten, das Ausland suchen müssen, da kein Ort in Palästina ihnen sicher gewesen wäre. Daher geht dl. Jose nach Kleinafien, R. Me'ir nach Babylonien u. s. w. Nach ihrer Rückkehr jedoch und der Constituirung des Synedriums in Uscha lebt N. Jose meistentheils in der Synedrialstadt Uscha, da wir ihn bei allen zufällig bekannt gewordenen Sitzungen finden, bis er durch das mißfällig aufgenommene politische Gespräch die Weisung erhält, sich nach seiner Heimath zu verfügen und die Synedrialsitzungen zu meiden.