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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1857-01-01 · Heft 2 · p. Seite 75

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
6 (1857)
Issue
Heft 2
Article
[Rezension]
Date
1857-01-01
Page
Seite 75 (sequence 3)
Language
German
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Recensionen und Anzeigen. 70 anwenden. Denn ist die Materie ewig, so haben wir Wirkung ohne Ursache, ist sie geschaffen, so haben wir Etwas aus Nichts. Wir müssen uns also, um der durch diesen Widerspruch entstehenden Rathlosigkeit zu entfliehen, für die Schöpfung aus Freiheit entscheiden. Hoffentlich wird hier Jeder innehalten und mit dem Res. an den Verfasser die Frage richten,׳ was uns denn zu der gegebenen Entscheidüng nöthigt. Die Rathlosigkeit geben wir zu, und auch noch das Eine, daß auf das Schöpfungsproblem weder das Axiom ״Aus Nichts wird Nichts", noch das andere ״Keine Wirkung ohne Ursache" Anwen-- düng finde. Aber Schöpfung aus Freiheit ist ebenso überschwänglich und erklärt ebenso wenig. Res. sieht daher Nichts, was uns gerade diese Annahme mehr empfiehlt, als die andere. Freilich, um wahr zu sein, hat Nef. dafür eine warme Empfehlung, nämlich das ethische Interesse. Meint es daher der Vers, in kantischc!» Sinne, nämlich weil die Vernunft ein Wesen postulirt, das den Grund der Zusammenstimnnmg von Tugend und Glückseligkeit, von Innerem und Acußercm in sich enthält, ohne welche Harmonie das höchste Gut nicht zu Stande käme, so hat Res. Nichts dagegen, außer daß es nicht neu ist. Aber nein, der Vers, will etwas Neues und meint so: Ohne die Freiheit Gottes ist die menschliche nicht gedenkbar. Die Annahme einer ewigen Materie schränkt die Freiheit Gottes ein. Also u. s. w. Aber abgesehen davon, daß der Vers, die Frage dann doch nicht physisch, um das es sich allein handelt, sondern ethisch, was-bereits geleistet worden, gelöst hätte, ist cs auch in sich unrichtig. Der Vers, übtrsieht, daß, indem er die göttliche Freiheit so verstanden wissen will, daß sie auch durch die Materie nicht beschränkt sein darf, er in ihr eine von der menschlichen Freiheit qualitativ verschiedene setzt, 'da die menschliche Freiheit sehr wohl in vollster Ausdehnung besteht, trotz einer ihr gegenüberstehenden Welt. Gleichwohl sagt der Vers. S. 149: ״Nicht durch seine Art unterscheidet sich göttlicher Wille vom menschlichen Willen u. s. w." Wenn das aber kein Artuntcrschied ist, daß unter der einen Freiheit verstanden wird das Vermögen auch äußerlich unbeschränkt Alles thun zu können, unter der andern blos das Vermögen, Alles wollen zu können, so weiß Res. nicht, was Artunterschicde sind. Dabei ist noch zu erwägen, daß die menschliche Freiheit die göttliche sa ebenso cinschränkt, wie die Annahme einer Materie. Denn versteht man die göttliche Freiheit so, daß ihr Nichts im Wege stehen darf, so darf ihr auch menschlicher Wille nie in den Weg treten können, d. h. wir müssen nothwendig das wollen, was Gott will, d. h. wir sind unfrei. Anders steht es mit dem Kantischen Postulat. Die Freiheit

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