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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1857-01-01 · Heft 2 · p. Seite 67

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
6 (1857)
Issue
Heft 2
Article
Die große Versammlung (Kneset ha-gedola), ihre Geschichtlichkeit, Zahl, Bedeutung, Zeit und Leistung
Date
1857-01-01
Page
Seite 67 (sequence 7)
Language
German
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Wissenschaftliche Aufsätze. 67 zeugen. Man mußte sich nach einem stärker» Mittel Umsehen. Konnte etwas nachdrücklicher wirken, als auch aus den Propheten öffentlich vorzulesen? Dadurch konnte das Volk gewöhnt werden, die Propheten, dem Pentateuch gleich, für heilig zu halten. Die große Versammlung scheint Hu gleicher Zeit mit dem Abschluß des prophetischen Kanons auch die Perikopenvorlesung aus den Propheten (Hastora) eingesiihrt zu haben. Indem Stücke aus den Propheten — gleichviel welche — zum Schluffe der Pentatcuchvorlesung recitirt und interpretirt wurden, wurden sie hiermit in den Rang heiliger Schriften erhoben, und dem Dogma der Samaritaner war entgegengewirkt. Dieses Motiv von der Entstehung der Haftoras ist jedenfalls plausibler, als jenes, daß sie erst wahrend der Verfolgung des Antiochos Epiphanes zum Ersatz der verbotenen Thoravorlesung in Gebrauch gekommen wären. Dieser Erklärungsgrund ist auch gar nicht stichhaltig; denn weder wurden sämmtliche Pentatcuchrollen damals zerstört, noch wird der Feind gerade die Propheten verschont haben. Die Sammlung des prophetischen Kanon und die Einführung der Haftoras können daher füglich auf die große Versammlung zurückgesührt werden. Die Hagiographep wurden nicht zu Haftoras verwendet, weil man ihnen damals keinen heiligen Charakter beilegte, nicht einmal den Psalmen, die damals, wie bei uns die Pijutim, als Erzeugnisse frommer dichterischer Gemüthcr, aber nicht als Eingebungen der Inspiration betrachtet wurden. — Sobald die Propheten dem öffentlichen Gebrauche übergeben wurden, mußte der Text mafforetisch fixirt werden. Wie Esra mit dem Pentateuch verfuhr, daß er die Orthographie (טקרא סופרים) fcstftellte, überflüssige Conjuuctioncn (טור סופרים!-) wegschaffte, Anthropopathien (סופרים sistN) umsetzte, das Keri vom Ketib unterschied und anderes mehr, so machten es seine Nachfolger mit den Propheteu. Aber hier war mehr zu thun, weil deren Text weniger überwacht war als die Thora. Während im Pentateuch das Keri sich blos auf Euphemismen, Umsetzung von Archaismen in gangbare Formen (נערה ,ר,יא) erstreckt lind nur selten den Sinn ändert (zweimal לא für לי), war der Umfang der Verbesserungen bei den Propheten größer. Dazu kommen noch, was im Pentateuch gar nicht vorkommt, Ergänzungen (קרין ולא כתיבן) und Auslassungen (כתיבן ולא קרין). Dieses war UNstreitig das Werk der Soferim im Jahrhundert nach Nehemia. 2) Die Abfassung der Estherrolle. Krochmal hat in der Abhandlung über den Kanon (Kerem chemed V. 74 s.) den Punkt zur Gewißheit crboben, daß die Erinnerung, die sich an das Purimfest knüpft, erst später, d. h. während der Epoche der großen Versammlung

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