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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1857-01-01 · Heft 2 · p. Seite 65

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
6 (1857)
Issue
Heft 2
Article
Die große Versammlung (Kneset ha-gedola), ihre Geschichtlichkeit, Zahl, Bedeutung, Zeit und Leistung
Date
1857-01-01
Page
Seite 65 (sequence 5)
Language
German
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65 Wissenschaftliche Aufsätze. die heilige Bibliothek angelegt und-darin ausgenommen die Bücher der Könige, der Propheten, Davids und die Briefe der Könige über die Opfer (?): «£ xaTaßaXXojxevog ß1ßX1cä־Yjx׳qv (Nssfuap) smouv»)Ya7« Ta 7csf1i tmv ßaaiXsov xac xpocp^Tov xa tou xal sm0T0Xa<j ßaaiXscov 7c6pt ava’ä'^aTov (12, 13). Diese Notizen wollen per-, standen sein, sie scheinen Wahres und Falsches zu enthalten. Es geht daraus mit Sicherheit hervor, daß die große Versammlung sich mit Kanonisiren von Schriften beschäftigt hat, aber es kann sich weder ans den Pentateuch — dessen Göttlichkeit von jeher anerkannt war —' noch auf die Hagiographen beziehen, , von denen einige wahrscheinlich erst später entstanden sind, andere viel spater noch nicht als kanonisch anerkannt waren. Der jüngere Sirach kennt noch nicht einmal den Ansdruck und umfaßt sie unter dem allgemeinen Namen ״die übrigen Schriften": x« aXXa (Prolog zu Sirach). Auch der Umstand, daß man in Alexandrien sich Zusätze zu Esra, Esther, Daniel erlaubt hat, beweist, daß diese Bücher damals noch-kein kanonisches Ansehen hatten. Die Kanonsammlung der -großen Versammlung kann sich demnach nur aus die Propheten erstreckt haben, d. h. auf die Schriften Josua, Richter, Samuel und Könige, deren Verfasser als prophetisch inspirirt angesehen waren — daher ihr Name ״ältere Propheten" — und auf die eigentlichen 8 großen und 12 kleinern Propheten. Welcher Zweck sollte aber dem Sammeln der Propheten zu Grunde gelegen haben? Jeder Kanonabschluß ~ - so weit uns die Geschichte des nentestrmentlichcn Kanons belehrt — setzt eine Opposition voraus. - Entweder sollen durch Kanonisirung Schriften als heilig angesehen ׳werden, dieeine Partei verwarf (wie das tridentinische Concil die von den Lutheranern verworfenen Schriften sanctionirt hat), oder es werden Schriften aus dem Kreise des Heiligen auSgeworsen, die eine Partei als heilig verehrt. Das Letztere findet nur in einer schreibseligen Zeit statt, wenn, wie in der christlichen Kirche der ersten Jahrhunderte, die heilige Schriftstcllerei wucherte, und die Gemeinden gierig jede derartige Schrift ohne viel zu prüfen ausnahmen. Dieses Motiv wird schwerlich die große Versammlung bewogen haben, den Kanon abzuschließen; die Zeit war nicht productiv. Folglich hat die Seelssia magna, falls sie thatsächlich nach dieser Seite hin thätig war, nur einer Opposition entgegentreten wollen, welche die Heiligkeit der Propheten angezweiselt oder gar nicht anerkannt hat. Hier stehen wir mit einem. Male bei den Reibungen zwischen Judenthum und Samariterthum, die, wie geschichtlich bekannt :, nach Nehemia's Tode stattgesunden haben.

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